Die Masse macht’s. Re-Commerce bei Momox leicht gemacht

Die Masse macht’s: Re-Commerce bei Momox leicht gemacht

Von Karo Junker, Gründerin von Vite EnVogue, wissen wir bereits, dass das Konzept Re-Commerce im Online-Handel bestens funktioniert. Aber wie verhält es sich mit Waren, die nicht, wie bei Karo, aus dem Luxus-Sektor stammen? Sondern um ganz alltägliche Gegenstände wie Bücher, CDs und DVDs?

Für diese ChefTreff-Ausgabe traf Sven Rittau den Momox CEO, Heiner Kroke, auf der diesjährigen K5. Er verrät unter anderem, wie es ist, als externer CEO ein Unternehmen zu führen und warum Multichannel sich nicht wirklich lohnt.

Natürlich findest Du den CHEFTREFF Podcast auch auf iTunes!

Du willst nur bestimmte Teile des Podcasts hören? Hier findest Du eine Übersicht über die besprochenen Themen, mit der Du direkt zu den gewünschten Abschnitten springen kannst.

 

Gründer meets externen Geschäftsführer

Bevor Heiner Kroke den CEO-Stuhl bei Momox übernahm, hatte er bereits langjährige Erfahrungen bei Marktplätzen wie eBay und Ricardo gesammelt. Zum damaligen Zeitpunkt war das Geschäft von Re-Commerce Anbieter Momox zwar solide aufgebaut, allerdings brachte die schiere Größe immer mehr Sand ins Getriebe des ehemaligen Startups. “Ich stellte mir selbst die Frage: Wie kann man das weiterentwickeln und größer machen? Ich selbst fand die Kombination aus Marktplatz- und Logistikerfahrung spannend, also habe ich Gründer Christian kontaktiert.” Die Übergabe von einem Gründer an einen externen Geschäftsführer ist allerdings nicht leicht. Aber: “Christian ist weiterhin im Geschäft und wir ergänzen uns total gut. Er ist der kreative Kopf, der Ideen entwickeln und das Marketing gestalten kann. Und ich manage das große Team.”

 

Das Momox-Erfolgsrezept

Momox definiert sich sowohl über das An- als auch das Verkaufsgeschäft. Scannt ein potenzieller Verkäufer den Barcode seiner Artikel ein, muss entschieden werden, ob Momox ankauft oder nicht. Wenn ja, wird ein Festpreis dafür geboten. “Dieser muss gleichzeitig hoch genug sein, damit Kunden animiert werden ihre Sachen zu verkaufen und niedrig genug, um zwischen An- und Verkauf Marge zu generieren. Diese Entscheidungsprozesse machen wir rund 100.000 mal am Tag. Durch die Masse kann man das nicht händisch machen.” Deswegen ist bei Momox alles algorithmisch hinterlegt. “Die Algorithmen werden durch über die Jahre gesammelten Daten optimiert. So wird garantiert, dass wir nur Dinge ankaufen, die wir auch wieder verkaufen können.”
Zugegeben, auch Momox macht Fehler. Manche Artikel bleiben auch schon mal länger liegen. Das sind laut Heiner Kroke allerdings weniger als 3%.

 

USP Verkaufserlebnis

Weil der Verkauf von gebrauchten Sachen übers Internet in vielen Fällen Kopfschmerzen bereitet und extrem zeitaufwendig ist, hat Momox eine klare Vision. Nicht umsonst bezeichnet Heiner Kroke das Unternehmen als das “eBay für Faule”. Der Verkauf soll so einfach wie möglich gestaltet sein. “Wir fordern unsere Kunden nie auf, den Zustand des Artikels anzugeben. Einfach Barcode einscannen und Ware einschicken. Die Conditions werden dann bei uns im Lager geprüft. Auch bei Kleidung fragen wir nicht nach Farbe, Größe oder Material. Da reicht lediglich das ‘Was’ und ‘von welcher Marke’.”
Ist der Zustand geprüft, wird dem Kunden der Betrag ausgezahlt. Anschließend wird festgelegt welchen Defakto-Zustand der Artikel dann noch für den Verkauf hat. Convenience ist bei Momox für den Verkäufer wohl die höchste Motivation gebrauchte Ware auf diesem Weg zu verkaufen. Im Gegensatz zu anderen Anbietern, dauert hier der Verkauf mehrerer Artikel maximal 30 Minuten.

®Youtube/momox/Kinderleicht verkaufen – momox TV-Spot 2014

 

Multichannel – Aber nicht für jeden

Das ewig leidige Thema um die Frage “Multichannel – ja, nein?” ging auch an Momox nicht vorbei. Richtig funktioniert hat es allerdings nicht. “Wir haben ja mal versucht Multichannel in unser Geschäftsmodell zu integrieren. Wir hatten dann fünf Läden in Berlin, aber nach zwei Jahren hat sich rausgestellt, dass wir damit kein Geld verdienen, sondern es nur tauschen.” In so einem Store hat man dann auch natürlich ein beschränktes Sortiment anbieten, während rund 9,5 Mio. Artikel im Lager stehen. “Schuster, bleib bei deinen Leisten. Online machen wir natürlich weiter. Aber für den Offline-Handel haben wir nicht das richtige Geschäftsmodell. Bei uns geht es ja um Masse.”

 

Used but precious: der Name ist Programm

Apropos Masse. Momox ist nicht nur Medienhändler, sondern verkauft mittlerweile auch gebrauchte Kleidung. Denn die USPs, die für Bücher, CDs und DVDs gelten, lassen sich genauso gut auf Klamotten übertragen. Es gibt viele Frauen, die zuhause massenweise Kleidung horten, die sie nicht mehr anziehen. Auf den Flohmarkt stellen wollen sich die meisten dann aber auch nicht. Eine ideale Zielgruppe. “Christian kümmerte sich um die Entwicklung von unserer Klamotten-Plattform Ubup: Used but precious. Wichtig war dabei auch hier den An- und Verkauf so einfach wie möglich zu gestalten.” Das Einscannen von Klamotten ist schwierig, weil keine globale Datenbank vorhanden ist, die das Kleidungsstück richtig zuordnen kann. Also wird beim Wareneingang Größe, Material und Farbe für spätere Artikelbeschreibungen erfasst. “Wir haben schnell festgestellt: das ist eine Nische, die gut ankommt. Die Kunden, die uns schon aus dem Buch- und Medienbereich kennen, nehmen auch das wahr. Wir sind die letzten zwei Jahre jeweils über 100% gewachsen.”

 

Ausblick

Bücher, Medien, Kleidung. Alles Gegenstände, die man gut gebraucht an- und verkaufen kann. Und zwar überall. Momentan ist Momox in Deutschland, Österreich, Frankreich und Großbritannien aktiv. Der Verkauf der angekauften Artikel läuft neben den eigenen Vertriebskanälen (Medimops, Ubup und Momox Shop) über Plattformen wie Amazon und eBay. “In den USA und Kanada verkaufen wir mittlerweile auch schon. Dass wir auch das Ankaufsgeschäft international angehen könnten, ist absolut ein Thema.” Momox hat definitiv das Potenzial dazu auch außerhalb von Europa richtig gut zu funktionieren. Besonders in den USA. Dort gibt es nämlich keine größeren Pendants, die eine ähnliche Skalierung erreichen.

 

 

Heiner-Kroke-CEO-Momox-ChefTreff-Podcast-8

 

Podcast Übersicht

01:35 Wie kam Momox Gründer Christian Wegner dazu Dich als externen Geschäftsführer einzustellen?

07:34 Welche Rolle spielen Investoren bei Personalentscheidungen wie dieser und welche Human Ressource Maßnahmen gibt es zu beachten?

09:43 Wie funktioniert euer Geschäftsmodell im Bereich Re-Commerce und wie wird dabei der An- und Verkauf gesteuert?

14:22 Welche Faktoren beeinflussen die Preisfindung und wie kommt diese zustande?

16:24 Welche USPs ergeben sich aus eurem Geschäftsmodell und wie sichert sich Momox gegen Mitbewerber ab?

21:23 Welche Verkaufsstrategien werden außerhalb der enormen Marktplatz Performance herangezogen?

23:08 Welche Herausforderungen ergeben sich in eurer Distributionspolitik und wie steht Ihr zum Thema Multichannel?

27:50 Welche weiteren Geschäftsfelder können erschlossen werden und welche Produkttypen stehen dabei im Fokus?

33:55 Welche Strategie verfolgt Ihr bei der Internationalisierung und welche Rahmenbedingungen sollten dabei beachtet werden?

35:45 Welche Learnings kannst Du aus den letzten fünf Jahre Momox mitnehmen und wo holst Du Dir deine Impulse für kommende Herausforderungen?

 

Heiner-Kroke-CEO-Momox-ChefTreff-Podcast-8 (1)

 

Suche
Jetzt anmelden für den K5 Newsletter!
K5 LIGA Premium Mitglieder