Hermès Handtaschen für Schnäppchenjäger - Vite EnVogue-Gründerin Karolin Junker macht's möglich

Hermès Handtaschen für Schnäppchenjäger – Vite EnVogue-Gründerin Karolin Junker macht’s möglich

Second Hand klingt für einige heutzutage altbacken und nicht wenige haben dabei ausgetragene Bomberjacken aus den 90er Jahren im Kopf. Oder Jeans mit niedlichen Aufnähern…Tatsächlich aber feiert Second Hand seit einiger Zeit ein Comeback, vor allem mobil und besonders im Fashion-Bereich.
Eine junge Unternehmerin aus Hamburg hat sich das Konzept vor ein paar Jahren zu Nutze gemacht.

Für diese Ausgabe des CHEFTREFF Podcasts hat Sven Rittau die Vite EnVogue-Gründerin Karo Junker getroffen, die in ihrem Onlineshop gebrauchte Luxury Fashion verkauft. Im Podcast verrät sie uns, warum das Second Hand Modell gerade im Luxussegment aufgeht, welche Vorteile eine Zwei-Marken-Strategie mit sich bringt und wie sich der stationäre Handel dabei integrieren lässt.

 

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Zwei Marken unter einer Idee

Bevor Karolin 2013 die Verkaufsplattform Vite EnVogue gründete, befasste sie sich intensiv mit ihrer ersten Marke für den Direktankauf von Luxusware, Buddy & Selly. Anders als beim klassischen Second Hand Modell kauft Buddy & Selly Mode und Handtaschen direkt an, ohne darauf zu warten, bis diese dann wieder verkauft werden. “Da wir mittlerweile akribisch auswerten, in welcher Geschwindigkeit und in welchen Preisstufen wir unsere Artikel auch wieder verkaufen, können wir dem Verkäufer marktgerechte Ankaufspreise direkt auszahlen und dieser befindet sich in keinem Risiko mehr. Und das Tolle ist, momentan gibt es auf dem deutschen Markt keinen Direktankäufer in dieser Form.”

 

Karolin Junker Founder Geschäftsführer Vite EnVouge ChefTreff Podcast 3

 

 

Direktankauf for the Win

Aus Buddy & Selly ergibt sich nicht nur ein Vorteil für die Kunden- bzw. Verkäuferseite, sondern auch für die Verkaufsmarke Vite EnVogue, die erst 1,5 Jahre später auf den Plan trat. Um ein erfolgreiches Ankauf-Verkauf-Business hochzuziehen, musste sich das Team anfangs intensiv mit folgender Frage befassen: “Sind wir in der Lage Kanäle zu erschließen, die uns dazu befähigen, nachhaltig an ausreichend Ware zu kommen und gibt es überhaupt genug Verkäufer in Deutschland und Europa? Immerhin ist Re-Commerce ein anspruchsvolleres Thema, weil man nicht auf bereits Gelerntes zurückgreifen kann.”
Die Verfügbarkeit von hochwertiger Ware in ausreichender Menge stellt letztlich DEN Treiber für das Geschäftsmodell dar. In den 1,5 Jahren gelang es Karo jedoch sich über drei verschiedene Kanäle einen Verkäufer-Kundenstamm aufzubauen. Der größte Teil läuft über den ‘Send in’-Prozess: Auf der Website können interessierte Verkäufer das Versandlabel ausdrucken und die Produkte ohne Vorabinfo an Buddy & Selly verschicken.

Ein weiterer Teil besteht aus Retail Partnerschaften: Kleine Boutiquen oder Modehäuser laden potenziell interessierte Kundinnen ein, ihre gebrauchte Kleidung mitzubringen und diese vor Ort von einem Vite EnVogue Mitarbeiter bewerten zu lassen. Bei einer Kaufabwicklung wird die Kundin dann mit einem Gutschein des Partners ausgezahlt – Eine Win-Win Situation für alle also!
Der dritte Kanal, über den die Jungunternehmerin ihren Verkäufer-Kundenstamm stetig aufbaut, besteht aus zwei permanenten Ankauf-Shops. “Durch unsere stationären Shops, zu denen unsere Kundinnen direkt kommen und ihre Sachen verkaufen können, vermitteln wir ihnen eben einen gewissen Trust. Dieser sorgt dafür, dass sich die Kundin auch stationär bei uns sicher fühlt und uns immer wieder ihre Sachen verkaufen wird.”

 

Karolin Junker Gründerin CEO Vite EnVouge CheffTreff Podcast 3

 

 

Zielgruppe Marken-Fans

Nachdem sich Karolin also nach fast zwei Jahren ein sehr umfangreiches Wissen über die Verkäufer-Zielgruppe aneignen konnte, gründete sie ihre Online-Verkaufsplattform Vite EnVogue. Sie wusste: Hier muss eine weitere Zielgruppe erschlossen werden. Während sich die Verkaufs-Kunden über die genannten Kanäle binden lassen, entsteht und wächst der Käufer-Kundenstamm über das Produkt und den gewährleisteten Service. “Wir gewinnen im Endeffekt über das Produkt und den Service, den wir bieten können. Die Qualität unserer Ware ist hoch, da wir ja sehr genau prüfen, was wir ankaufen. Dementsprechend können wir es dann verkaufen. Und da wir die Sachen vor Ort lagern, können wir unseren Kunden einen genauso schnellen Service wie Zalando bieten, inklusive Rückgaberecht.”

Und diesen Service erwarten die Kunden auch. Denn die Preisspanne der Second Hand Luxusware bewegt sich bei Vite EnVogue zwischen 40 Euro und 13.000 Euro (Hermès & Co.). Treue Kundinnen wissen Angebot, Qualität und Service eben zu schätzen. Immerhin sind 60% des Umsatzes durch Stammkunden generiert, bei einem durchschnittlichen Warenkorbwert von 160€.
Wie lässt sich aber der Ankauf einer 13.000 Euro teuren Hermès-Handtasche finanzieren? Möglich ist das nur mit ausreichend Working Capital, welches am Anfang in der Regel nicht vorhanden ist. Für die Finanzierung braucht man also externe Geldgeber. Insbesondere im markengetriebenen Luxusmodehandel. Wer hat denn schon mal 13.000 Euro für ein Handtäschchen übrig. Da sich sowohl der Ankauf als auch der Verkauf auf absolute Top-Marken richtet, ist das Geschäftsmodell von Vite EnVogue im positiven Sinne sehr aktionsgetrieben. Wer Marken-Fan ist und eine Hermès für 13K anstatt den üblichen 60K ergattern kann, wird das Angebot nutzen.

 

Wenn das Konzept das Kapital darstellt

Bei Vite EnVogue handelt es sich um ein sicheres Modell im E-Commerce, das also durchaus das Interesse von Investoren wecken könnte, die ein Potenzial darin sehen. “Es haben in dem Punkt mehrere Leute an mich und die Idee geglaubt. Allerdings haben wir uns nicht mit VC finanziert, dafür bieten wir einfach nicht das richtige Modell, sondern mit einem kleinen Kreis aus Business Angels. Das Kapital-Thema ist generell schwierig, aber wir konnten das damals noch richtig ‘old school’ mit einer tollen Bank lösen. Die steht hinter uns und momentan sind wir wirklich gut aufgestellt.”

Typische Geschäftsmodelle aus dem Online-Handel bieten also für Venture Capital Fonds keine Voraussetzungen für snapchat-artige Börsengänge. Aber, und das zeigt Karo mit ihrer Idee deutlich, es gibt Investoren, die locker sechs- oder siebenstellige Beträge in derartige Geschäftsmodelle geben wollen. Zumal es sich um ein Konzept handelt, das zwar schon lange bekannt ist, aber für den Luxussektor nun digital innoviert wurde. “Und weil das so gut aufgegangen ist und momentan läuft, würde ich auch nie auf die Idee kommen, auf einen Marktplatz aufzuspringen. Durch unser Kapital und die daraus resultierenden Möglichkeiten sind wir einfach so aufgestellt, dass wir ähnlich wie ein Marktplatz agieren und Service leisten können.”

 

Fails, Learnings…

In fünf Jahren läuft natürlich nicht alles immer super glatt. Manchmal werden Entscheidungen getroffen, oder eben nicht getroffen, die einen Einfluss auf den Verlauf des Geschäfts haben.
Eine Entscheidung wird Karo allerdings nicht bereuen. Dass sie ihre Idee in die Tat umgesetzt und ihr Konzept zusätzlich auf den stationären Handel ausgeweitet hat. “Damals hätte ich noch darauf gewettet, dass das stationäre Thema nicht aufgeht. Der ursprüngliche Plan war: reines online Geschäft. Als es aber darum ging, wo wir unsere Verkäufer herbekommen, wenn wir nicht in der Gala inserieren können, mussten neue Möglichkeiten gefunden werden. So ist der Gedanke entstanden, es einfach auszuprobieren!”

Ab und zu etwas wagen, lautet die Devise. Im Flow einer Experimentierphase möchte man dann auch so viel wie möglich alleine schaffen und machen. Eine Sache, die nicht unbedingt nur Vorteile mit sich bringt: “Grundsätzlich haben wir viel ausprobiert, wobei mir besonders wichtig war sich auf ein Kernprodukt zu fokussieren. Das war auch gut so, allerdings hätten wir früher die richtigen Leute an Bord holen sollen. Das hat uns wahnsinnig viel Zeit gekostet, alles selbst zu machen.”

Aber daraus hat die Gründerin einiges gelernt. Mittlerweile weiß sie nämlich was im Unternehmen fehlt, wie sie es ändern kann und wer ihr dabei eine Hilfe ist. Die entsprechenden Leute findet sie selbst im Netzwerk und ohne Headhunter. Ein gutes Team ist für jede Firma unverzichtbar. Ebenso unverzichtbar wie Karolins Lieblingstool, um sich zu strukturieren: Fünf Minuten Zeit. Die sie sich morgens und abends nimmt, um sich darüber Gedanken zu machen, was geschafft wurde und was als nächstes auf die Agenda muss.

 

…and Future Projects

Diese fünf Minuten wird sie sich besonders künftig nehmen, um ihre Future Projects zu verwirklichen. Denn da steht unter anderem das Thema Marketing auf dem Plan. “Es ist jetzt an der Zeit in Online-Marketing zu investieren. Wir wollen auf eigenen Content setzen. Für beide Marken besitzen wir ja schon getrennte Marketing-Teams und bei beiden wollen wir die Marktbekanntheit steigern. Da wird Social Media eine große Rolle spielen, um beide Zielgruppen richtig bzw. noch besser zu targeten.”

Das klingt, als hätte Karolin Junker schon genaue Vorstellungen davon, wie das Ganze von statten gehen soll. Vielleicht lässt sie uns im Vortrag auf der diesjährigen K5 FUTURE RETAIL CONFERENCE an ihrem Vorhaben teilhaben und verrät uns, wie ihre Strategien im Online-Modemarkt für gebrauchte Luxusware aussehen. Bei einem können wir uns sicher sein: diese Frau wird in der E-Commerce Szene noch einiges zu bieten haben.

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