“Nicht gackern, sondern Eier legen” – Shoepassion Founder und CEO Tim Keding im Gespräch

“Nicht gackern, sondern Eier legen” – Shoepassion Founder und CEO Tim Keding im Gespräch

Stationärer Handel stirbt aus. Hört man zumindest oft. Viele Handelsunternehmen möchten daher ihr Geschäft auch auf E-Commerce-Ebene betreiben und eröffnen zusätzliche Online-Shops. In dieser Ausgabe des Chef-Treff Podcasts berichtet Shoepassion Gründer und CEO Tim Keding, der nach einer turbulenten Gründung und diversen Ablehnungen von Investoren mit seiner Idee trotzdem den heute oft gewählten “goldenen Weg im E-Commerce” einschlug und mit einer vertikalen Marke im Online-Business begann, von dem Werdegang seines Online-Shops und wie er diesen auf acht stationäre Stores ausgebaut hat.

 

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“Wo finden wir hier denn den Schuhladen?”

Die Story dahinter, wie die Gründer im Endeffekt auf die Idee kamen, zusätzlich zum Onlineshop auch stationäre Läden zu eröffnen, ist schon fast zu aberwitzig, um wahr zu sein.
Denn es kam der Tag an dem auf einmal suchende Kunden im Shoepassion Office im 5. Stock mitten in Berlin Mitte standen, in der Hoffnung sie würden lokal ein paar Schuhe erwerben können. Natürlich improvisiert man dann ein wenig, um den Bedürfnissen der Suchenden gerecht zu werden. Auf Dauer eignet sich ein Großraumbüro dafür allerdings nicht. Also bezieht man zusätzlich noch den Raum als Ausstellungsfläche mit ein, der im Impressum auf der Webseite angegeben war und gebucht werden konnte.
“Irgendwann haben wir einen Punkt erreicht, an dem unser Office für diesen Service nicht mehr ausreichend war. Also haben wir uns nach einem Objekt in Berlin Mitte umgesehen, das wir als Store beziehen konnten. Wir wurden fündig und jetzt sitzen wir in einem ehemaligen Supermarkt in der Ackerstraße.”
Die Erweiterung um die Läden in München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Warschau und Zürich erfolgte deshalb, weil Keding und Konsorten erkannt haben, dass sich die Geschäfte von selbst tragen. Resultat: teilweise erwirtschaften sich aus den Stores monatlich sechsstellige Summen. “Was uns zudem noch auszeichnet, ist, dass wir sowohl on- als auch offline alles über unsere Marke steuern. Wir haben die Leute für Design, Marketing, IT und Logistik. Zwar haben wir in punkto Standort einiges an Lernerfahrung machen müssen, aber Fehler macht man offline dann auch nicht zwei Mal. Ich glaube auch, dass es für einen Offliner schwieriger ist zu lernen wie online funktioniert als andersherum.”

 

Tradition trifft Innovation

Dann im Winter 2016 die Sensationsnachricht für die Schuhbranche: Heinrich Dinkelacker, eine der renommiertesten traditionellen Schuhmanufakturen hat sich mit Shoepassion zusammengeschlossen. Da stellt sich die Frage, was ein so junges Unternehmen dazu bewegt hat, mit einer 137 jährigen Traditionsmarke zu fusionieren. Die Antwort liegt in der verbindenden Leidenschaft der Schuhe: “Dinkelacker steht für rahmengenähte Schuhe wie keine andere Marke in Deutschland. Der Zusammenschluss mit Heinrich Dinkelacker ist die Fortsetzung dessen, was wir schon gemacht haben, nur noch mit einer anderen Marke. Wenn man noch eine gewisse Liebe für die Schuhmacherkunst mit sich bringt, ist das die Vollendung von dem, was man machen kann. Dass sich eine so etablierte Marke für uns geöffnet hat, liegt daran, dass wir durch unsere Leidenschaft für Schuhe authentisch und glaubhaft klarmachen können, dass wir die Produkte auch weiterentwickeln wollen.”

 

What’s next?

Sowohl vor, als auch nach dieser Transaktion scheint es für Shoepassion richtig gut zu laufen. Dass da eventuelle größere Projekte in den Startlöchern stehen, liegt eigentlich auf der Hand. Und tatsächlich, Tim Keding hat einiges mit dem neuen Setup vor. Shoepassion soll zu DER deutschen Premium-Schuhmarke werden, und zwar auch international. Soll heißen: “Ich glaube, wir haben das Potenzial dazu unser Konzept zu internationalisieren. Das Schuhgeschäft ist eine Nische, aber eben eine, die man in allen Ländern spielen kann.” Angepeilt sind hierbei Kandidaten wie Asien, Amerika und der mittlere Osten. Zwar nicht in der Dichte wie in Deutschland. “Aber in Singapur oder Dubai wären wir natürlich gerne mit Geschäften vertreten, wo der Kunde die Schuhe erleben kann. In der entsprechenden Landessprache und den entsprechenden Zollabwicklungen, damit man dort auch Produkte bestellen kann.”
Bei der Realisierung ist ihm besonders wichtig, die Umsatzsäulen gleichverteilter darzustellen, als es momentan der Fall ist. “Derzeit haben wir den dominierenden Online-Anteil, den Offline-Anteil in unseren eigenen Ladengeschäften und den Handelsteil, der großteils von Heinrich Dinkelacker stammt. Ideal wäre es, wenn wir innerhalb dieser drei Anteile eine Art Dreiklang hinbekommen würden. Und mit Dinkelacker sind wir dabei auf einem guten Weg. Wenn man sich das Stärken- und Schwächenprofil anschaut, sieht man, dass wir uns gegenseitig perfekt ergänzen. Vielleicht schaffen wir es auch irgendwann mal zu einer eigenen Fabrik!”

 

“Talent allein reicht nicht!”

Tim Keding macht es vor ,und der globale Schuhfachhandel sollte sich in Acht nehmen. Ausschlaggebend ist für ihn hierbei, einfach zu machen und nicht immer nur davon zu reden. “Nicht gackern, sondern Eier legen. Es gibt viele Gründer, die so mit sich selbst beschäftigt sind und hier und da was anderes machen. Das war mir selber nie so wichtig. Ich wollte das realisieren, von dem ich auch sprach. Und am Besten so, dass die Eier eben irgendwann auch größer werden!”
Welche Tools und Einsichten der Shoepassionist aus den letzten zehn Jahren mitgeben kann? “Neben vielen Büchern von erfolgreichen Leuten, die ich gelesen habe: Harte Disziplin. Talent allein reicht nicht, man muss bereit sein, hart an seinen Vorstellungen zu arbeiten. Schmerz zuerst!”

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