Wir haben nicht so viel gedacht, wir haben halt gemacht - 10 Jahre mymuesli, eine Erfolgsgeschichte

“Wir haben nicht so viel gedacht, wir haben halt gemacht” – 10 Jahre mymuesli, eine Erfolgsgeschichte

Dass Müsli als Customization-Produkt Potenzial hat, hätte vor zehn Jahren niemand erwartet. Und dass das Ganze zudem noch online ablaufen sollte, undenkbar. Entgegen aller Zweifel haben sich Max Wittrock und seine beiden Mitgründer Hubertus Bessau und Philipp Kraiss 2007 ihren Traum der eigenen Online-Müslimanufaktur mymuesli erfüllt.

Aller Anfang ist schwer. So auch bei Max und seinen Freunden, als sie mit ihrer Vision starteten. Auf diesen Anfängen und den darauffolgenden zehn Jahren liegt der Fokus dieser ChefTreff-Ausgabe. Und darauf, warum Max jedes Business immer wieder mit Freunden starten würde.

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Gut erzählt ist halb gewonnen

Für diejenigen, die die Anfangsgeschichte von mymuesli nicht kennen: Der Impuls für die Gründung entstand durch einen Müsliwerbespot im Radio. Die Jungs dachten sich, wie cool es wäre, das eigene Müsli herzustellen. Oder noch besser herstellen zu lassen. Customized Style. Allerdings fand die Idee anfangs nicht sonderlich viel Zuspruch. Was wohl auch daran lag, dass vor 10 Jahren um E-Commerce Themen ein großer Bogen gemacht wurde. Und diese Idee war zu ungewöhnlich. Aber wie sich herausstellte, war ungewöhnlich in diesem Fall sehr gut.
Dass eine gute Story eine Secret Sauce für ein Geschäftsmodell darstellt, hat auch Max schnell erkannt: “Geschichten in Kombination mit einem Produkt haben immer etwas Emotionales. Zum einen können wir sie uns, wenn sie interessant ist, sehr gut merken. Zum anderen verleihen sie dem Produkt eine besondere Wertigkeit. Jeder, der unsere Story kennt wird nicht ohne Reaktion im Supermarkt daran vorbeigehen. Gute Geschichten sollte man nicht vernachlässigen.”

 

Einfach mal zehn Jahre “Machen!”

Zum zehnjährigen Geburtstag haben Max und seine Mitgründer ein Buch herausgebracht mit dem sehr aussagekräftigen Titel “Machen”. Ein Buch von Gründern für Gründer. “Darin befinden sich nicht nur die Sachen, die wir richtig gemacht haben, sondern auch unsere ganzen Fuckups. Man macht so viele Fehler oder trifft falsche Entscheidungen. Aber Fehler passieren nun mal und man sollte sie definitiv als Chance sehen!”
Und auch einen Traum sollte man zur Chance machen. Selbst wenn die Prognosen anfangs eher bescheiden sind. “Als Gründer hast Du einen Traum und den träumst Du erst mal alleine. Wir haben im Laufe der Jahre zwar unsere Dienstleistungen verändert, aber wir haben immer versucht den Kunden happy zu machen. Daher gibt’s mittlerweile neben der Cereal Customisation auch Fertigmischungen und diverse andere Produkte.”
Grundsätzlich gilt: je länger man wartet, desto schwieriger wird es mit der Zeit, Ideen und Träume zu verwirklichen. Gut also, wenn jemand diese Träume teilt.

Manchmal ist es so simpel, wie es klingt…“Machen“

©Youtube/mymuesli/10 Jahre mymuesli: Das Erfolgsrezept

 

mymuesli-Store statt Salatbar

Anfangs lief der mymuesli-Verkauf primär online ab. Bis durch Zufall das erste Geschäft in Passau aufgemacht wurde. Max und seine zwei Freunde gingen langsam aber sicher auf die 30 zu und wollten eine Salatbar eröffnen, um sich noch gesünder zu ernähren (Bio-Müsli ist ja schonmal ziemlich gesund). “Wir hatten schon Kühlschränke und Kaffeemaschine für die Einrichtung, bis auf einmal der MIetvertrag geplatzt ist. Also, was jetzt? Philipp kam dann auf die Idee, in einer anderen Immobilie einen Müsliladen zu eröffnen. Und Hubertus meinte, dort könnten wir aus unseren Kundendaten Fertigmischungen kreieren. Coole Idee, aber bis der Laden richtig lief, dauerte es etwas.” Grund für den etwas holprigen Start im stationären Shop war, dass die Leute erst einmal verstehen mussten, was es in einem Müsliladen alles gibt. DIe Verbindung zum Online-Shop war noch nicht so weit hergestellt, weil die Marke an sich erst bekannter werden musste.

 

Zusammenspiel der Kanäle

Der stationäre Handel ist mittlerweile zu einem wichtigen Kanal für mymuesli geworden. Ausschlaggebend für ein gut funktionierendes Geschäft ist das Zusammenspiel der einzelnen Kanäle. In jedem muss der Kunde den gleichen Service erhalten und idealerweise gut identifiziert werden. Max und seine Crew führen beispielsweise dafür ein neues Kassensystem ein, sodass jeder Online-Kunde auch im Laden identifiziert werden und somit einen tollen Service erhalten kann. “Was den Service angeht tun wir uns als Müsli-Händler leichter. Möchte man vergleichsweise einen online gekauften Kaschmirpulli stationär umtauschen, kann es sein, dass das gewünschte Modell nicht in der richtigen Größe oder sogar gar nicht verfügbar ist. Wenn in einer Müsli-Lieferung ein beschädigtes Produkt ankommt, kann das ohne Probleme in jeder mymuesli-Filiale umgetauscht und entschädigt werden. Anders als beim Pullover erfordert der Umtausch einer Müslipackung kein riesen Warenhaus-Management.” Dafür muss mymuesli bezüglich der Haltbarkeit über ein top Zeitmanagement verfügen.

 

Das große Ganze

Fragt man sich, wie es den Jungs gelingt, sämtliche Produkt- und Marketingteams und die verschiedenen Standorte synchronisiert zu halten, liegt für Max die Antwort auf der Hand: “Wir arbeiten alle intrinsisch produktgetrieben. Wir machen das alles, weil wir Spaß dran haben uns ständig zu verbessern und uns weiterzuentwickeln. Wir wissen, dass man machen, probieren, hinfallen und wieder aufstehen muss. Und um die Standorte synchronisiert zu halten, nutzen wir Cloud-Lösungen, die die Kommunikation immens erleichtern.”

In puncto ausprobieren hat sich besonders in der mymuesli-Produktpalette einiges getan. Neben Müsli zum selbermischen, ready-made Mischungen, Porridge und Tee hat sich auch die pflanzliche und laktosefreie Milchalternative Nilk dazu gesellt. “Wir bekommen von unseren Kunden viel Input und Anregung. Viele wollen sich alternativ zu Milch ernähren, aber trotzdem nicht auf ein Müsli oder einen Shake verzichten. Mit Nilk haben einfach was neues ausprobiert. Abwechslung ist eine der Säulen, auf denen mymuesli ruht. Und klar, man weiß nie, ob das jetzt jeder künftig in seinem Müsli haben will. Aber so erreichen wir auch neue Leute und bis jetzt sind die Reaktionen echt gut.”

 

Investieren – Realisieren

Das große Ganze verlangt nach großen Plänen. Zwar ist eine fünf-Jahres-Planung schwierig, weil Max und seine Freunde sich in all den Jahren ständig in Richtungen entwickelt haben, die so nicht geplant waren. Trotzdem gibt es drei große Ziele, die in den nächsten Jahren realisiert werden sollen: Produktionsausbau, Internationalisierung und Entwicklung der einzelnen Kanäle. Um das zu realisieren hat mymuesli eine Kapitalerhöhung mit Genui durchgeführt. “Man weiß vorher nie, wie gut das mit einem Investor funktioniert. Aber Stefan, einer unserer Beiratsmitglieder steckt so viel Zeit und Energie in das Projekt und hat super viel Erfahrung, die uns zugute kommt. Zwar habe ich beim Investor Reporting Pflichten, aber die sind eben wichtig, um das eigene Geschäftsmodell besser zu verstehen.” Man muss sich auch vertrauen und eine gemeinsame Erwartungshaltung haben. Max bewertet die menschliche Komponente in seinem Fall höher, als die der KPIs.

 

Ein Hoch auf die Freundschaft

Die dreisten Drei von mymuesli haben in zehn Jahren wirklich viel zusammen gestemmt und auf die Beine gestellt. Ob dadurch die Freundschaft der Jungs beeinträchtigt wurde? “Ich kann es wahnsinnig empfehlen mit Freunden zu gründen und würde es jederzeit wieder tun. Zwar waren wir irgendwann mal an dem Punkt, wo nur Business unsere Kommunikation ausgemacht hat, aber nicht mehr das, was uns bewegt. Bis wir gemerkt haben, dass der emotionale Kern von mymuesli so stark ist, dass uns das wieder zusammengetrieben und noch stärker gemacht hat.”
Durch das Business sind Philipp und Hubertus elementare Bestandteile von Max’ Leben geworden. Dass es sich dabei gleichzeitig um eine Freundschaft handelt und die Tatsache, dass man sich von Anfang an gegenseitig blind vertrauen konnte, machen mymuesli für Max zusätzlich zu einem Erfolgserlebnis. Und er weiß: wenn man sich so gut kennt, weiß man auch, dass man einfach nicht verarscht wird.

 

“Take it easy and be nice to people”

Wenn Max sein jüngeres Ich vor zehn Jahren treffen würde, wäre ‘take it easy’ vermutlich das, was er sich selbst raten würde. “Ich denke generell immer viel zu viel nach und mache mir zu viele Sorgen. Also, manchmal einfach alles etwas lockerer nehmen.” Und seinen Tipp für die Community kann man sich wirklich zu Herzen nehmen: “Mein Lebensmotto ist, glaube ich, ‘be nice to people’ und hoffe, dass ich das auch so hinbekomme. Also, seid nett und hinterlasst keine verbrannte Erde. Man sieht sich immer zweimal im Leben.”

 

Podcast Übersicht

02:10 “Storytelling” als Schlüssel zur Omnipräsenz von mymuesli

04:07 Der Markteintritt in der heutigen medialen Welt

05:54 “Machen!”: ein Buch von Gründern für Gründer

08:28 Der Kunde als Wegweiser aus dem Nischenmarkt

14:23 Max´ “message” an alle Gründungsinteressierten

16:38 Durch den “mymuesli-Store” zum Multichannel-Geschäftsmodell

21:30 Die mymuesli DNA

23:29 Cloud-Lösungen als Hilfsmittel zur Synchronisation der Standorte

27:19 Die mymuesli-Produktpalette

30:55 mymueslis Realisierungsfahrplan für die nächsten Jahre

33:22 Investoren haben weit mehr zu bieten als ihr Geld

39:30 Eine riskante Sache mit vielen Vorteilen: “Gründen unter Freunden”

41:13 Die mymuesli Gründer als Business Angels

42:13 “The way to stay up to date”

44:45 “Take it easy and be nice to people”

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