* * * *

Der UK-Markt: “like a rosy apple in the water”

Jul 22, 2021 | E-Commerce Insights, Home, K5 Insights

 Der Markt in Großbritannien ist einer der wichtigsten Europas, trotz Brexit. Was sich im britischen Handel während der Pandemie getan hat und was man beachten sollte, wenn man im United Kingdom tätig werden will, wissen Ian Jindal, Founder & Editor in Chief von InternetRetailing, und Peter Egger, Head of Sales Commerce von MS Direct. Im K5 KLUB stehen die ganzen Videos mit allen Infos zu Verfügung. 

 

Der UK-Markt und Covid: Kapital, D2C und Flexibilität heißen die Gewinner

 

Der Experte Ian Jindal, Founder & Editor in Chief von InternetRetailing, vergleicht auf der K5 Global Edition der K5 DIGITAL 2021 den britischen Markt mit einem “rosy apple in the water”. Manche Stücke sehen zum anbeißen und ansprechend aus, während andere Stellen weich und verrottet sind. Corona hätte die einstigen Stärken des Handels in Schwächen umgewandelt. Ein Problem, weshalb viele Retailer schließen mussten, sei vor allem das fehlende Kapital. Ebenfalls würden Händler leiden, die die Digitalisierung als “nice to have” ansehen, aber nicht in ihrer Firmenidentität verankert haben. Die Unternehmen, die hingegen eine D2C-Strategie fahren und flexibel sind, würden wachsen und die große Hoffnung des UK Marktes sein. 

 

Einer der größten Gewinner der Pandemie ist die Lebensmittelbranche. Laut Ian Jindal waren Tesco, Sainsbury und Co. auf den Lockdown bestens vorbereitet, ohne es beabsichtigt zu haben. Dank fünf Jahre intensiven Investitionen und Innovationsforschungen gelang es den Food-Retailern ohne größere Umstände sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Die Store Training App funktionierten sie zum Beispiel in eine Pick&Collect App um, mit der sie die online bestellten Lebensmittel der Kund*innen sammelten und anschließend an jene lieferten. Dabei haben die Supermärkte mit Deliveroo und lokalen Lieferdiensten kooperiert. 

 

Online: von “add-on” zum zentralen Medium

 

Mit dieser erfolgreichen Unternehmensstrategie überlebten die Food-Giganten nicht nur, sondern wuchsen nachhaltig. Während die meisten Käufer*innen sich vorher nicht vorstellen konnten, ihre Lebensmittel online zu kaufen, sind nun 30% dazu entschlossen, auch zukünftig Nahrungsmittel digital zu bestellen. Zudem ist dank Covid das Internet zu dem Medium geworden, über das wir alltäglich interagieren: “2021, the internet stopped being add-on and became the central medium the way we interact to each other”, so der britische Experte Ian Jindal.

 

Der Kundenfokus ist das A und O im United Kingdom

 

Ein weiterer Sektor, der seit Covid boomt, ist der Home & Living Bereich. Was mit einer steigenden Nachfrage von Sofas und Kissen begann, ist mittlerweile ein neu gefliestes Bad. Ein Ende Des Renovierungs-Hypes oder des Booms um Baumärkte und Einrichtungshäuser ist nicht in Sicht. Kundenzentrierte Anbieter, die zum Beispiel Möbel nach Maß anbieten,  seien am gefragtesten, wobei diese in der Möbelbranche noch rar sind. 

 

In der Modebranche spielt der Kundenfokus ebenfalls eine wichtige Rolle. Vor allem die Präsenz auf den sozialen Netzwerken ist dabei entscheidend. Ein zentrales Thema, was in der Modewelt  kommuniziert wird, ist Nachhaltigkeit. Konsument*innen wollen nicht auf Shopping verzichten, aber sind bereit, in nachhaltige Brands zu investieren. Durch Offenlegen der Herstellung und Lieferketten generieren die Unternehmen Glaubwürdigkeit. Unternehmenstransparenz in der Modebranche würde jedoch nach Jindal anderen Branchen hinterherhinken.

 

 

Nobody cares about retailers, we care about brands

 

Ian Jindal sagt vorher, dass sich in den nächsten Monaten zunehmend Brands zusammenschließen und Marktplätze mit einer D2C-Strategie gründen. Der klassische Retailer wird verschwinden. “Nobody cares about the retailers, we care about brands.” Den Käufer*innen wäre es demnach egal, bei welchem Anbieter sie ihre Lieblingsmarke kaufen. Um als Händler zu überleben, wäre es wichtig, sich zu spezialisieren und selbst wie eine Marke mit einer kundenkonzentrierten Strategie zu agieren. >>Im K5 KLUB kannst Du Dir das ganze Interview mit Experte Ian Jindal anschauen.<<

 

Unkomplizierter Handel zwischen GB und EU trotz Brexit

 

Was man als Händler nach dem Brexit jetzt beachten muss, um in das Vereinigte Königreich zu liefern und vor Ort zu verkaufen, erklärte Peter Egger, Head of Sales Commerce von MS Direct, in einer Session auf der K5 DIGITAL 2021.  Der Schweizer Provider bietet unter anderem Fulfillment Solutions und Cross-Border Lösungen an und hat sich auf den Handel mit Großbritannien spezialisiert. Der Dienstleister unterstützt die logistischen Abwicklungen der Marken und Händler, wie zum Beispiel WESTWING oder ESPRIT.

 

Peter Egger gibt in der Session Einblicke in die Paketzustellung innerhalb des United Kingdoms. So wollen zum Beispiel 81% der Kund*innen ihre Ware nach Hause geliefert bekommen. 14% bevorzugen Click & Collect. Zudem erwarten sie eine große Auswahl an Lieferoptionen. Die Carrier-Landschaft ist daher groß. 37% der Paketzustellungen übernimmt die Royal Mail, 35% Hermes und 22% Parcel Force

 

 

Screenshot von der Präsentation von MS direct über ihre Lösungenfür die Logistik zwischen EU und UK

Von der Sammelverzollung zum lokalen Retourenmanagement

 

Die neuen Richtlinien haben viele Händler auf dem Festland vor große Herausforderungen gestellt, so Egger. Die Zollbestimmungen verkomplizieren die direkte und schnelle Lieferung zu den Endkund*innen. Aber auch die Retoure ist nicht mehr direkt ins EU-Lager möglich. Die britischen Kund*innen erwarten trotzdem eine reibungslose und schnelle Lieferung und Retoure. 

 

Um die entstandenen Hürden zu bewältigen, werden die Lieferungen digital sammelverzollt und schon in den europäischen Zentrallagern gelabelt. Bei dem logistischen Abwicklungen arbeitet MS Direct mit dem international agierenden Logistikprovider Seven Senders eng zusammen. Auf der Last Mile werden die Lieferungen von lokalen Spediteuren übernommen. So soll eine 48h Lieferung zu den Endkund*innen gewährleistet werden. 

 

Mittels eines lokalen Retourenmanagement soll die retournierte Ware ebenfalls vereinfacht werden. Auch hier findet das Klärungsverfahren digital statt. Die Ware wird in GB zwischengelagert und anschließend mit einem Sammeltransport ins Ursprungslager geliefert.

 

Um einen reibungslosen Ablauf der Logistik zu garantieren, sind 4 wesentliche Punkte laut Peter Egger notwendig: 

 

  1. Sammlung und pflege von Daten über die Ursprungsländer, Nettogewichte, Warentarifnummern, etc. 
  2. Die Beantragung der Mehrwertsteuer und Zollregistrierung in GB. Nicht zu vergessen: Die EORI-Nummer (Die Nummer zur Registrierung und Identifizierung von Wirtschaftsbeteiligten). 
  3. Die Integration von lokalen Carriers. 
  4. Die Planung und Synchronisation von Logistikprozessen, wie die Cut-Off-Zeiten oder die Laufzeiten bis zu den Endkund*innen im Vereinigten Königreich. 

 

>>Im K5 KLUB findest Du die ganze Session mit Peter Egger über die Hürden und Möglichkeiten des Handels mit Großbritannien nach dem Brexit.<<

 

 

Screenshot von der Präsentation von MS direct über das Retourenmanagement von UK nach EU

Fortbestehender Handel trotz der Hürden Brexit und Covid

Auch wenn der Brexit den Handel mit der Insel erschwert hat, gibt es Optionen, die einen Austausch von Waren trotzdem ermöglichen, ohne dass Kauf und Verkauf erschwert werden. Die Pandemie sollte Retailer und Brands ebenfalls nicht davon abhalten auf die Insel zu gehen. Mit einer kundenfokussierten Strategie und einem besonderen Angebot ist der Erfolg auch im United Kingdom machbar.

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl

EBENFALLS INTERESSANT:

Ebenfalls interessant: