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Fashion Leasing – Große Hoffnung oder doch bloß Trend?

Apr 21, 2021 | Fashion, Home, Nachhaltigkeit

Viele Unternehmer*innen, die gerne im Fashion Bereich tätig werden oder investieren wollen, fühlen sich wegen der negativen Umweltbilanz der Branche und dem gesellschaftlichen Druck verunsichert. Neben dem bereits bestehenden Trend von Online Second Hand, wie REBELLE oder Mädchenflohmarkt, gibt es nun auch kreative Köpfe aus der Gründerszene, die Convenience und Nachhaltigkeit in der Modewelt verbinden. Eines dieser innovativen Unternehmen ist unown.

 

Was läuft falsch in der Modeindustrie

 

Die Modeindustrie kann gar nicht nachhaltig sein, ohne in den Resale, Reuse und Recycle Markt zu investieren. “Mode muss zirkulär werden, sonst schaffen wir den Sprung in eine nachhaltige Zukunft nicht”, appelliert Linda Ahrens, Co-Founderin von unown. Auch sie ist mit ihrem Modeunternehmen im Trend der Zeit. unown ist ein Leasing Service Modell. Hier können Kundinnen zwischen zwei verschiedenen Konzepten wählen und Kleidung mieten. Entweder leasen sie ein Kleidungsstück einmalig (z.B. bei besonderen Anlässen, wie Hochzeiten oder Vorstellungsgesprächen) oder sie abonnieren eine der drei Memberships und erhalten je nach Abonnement regelmäßig verschiedene Kleidungsstücke für einen gewissen Zeitraum. Nicht nur mit ihrem Angebot Fashion zu mieten ist unown ein Pionier in Sachen Nachhaltigkeit. Auch bei der Entscheidung mit welchen Brands sie kooperieren, achten sie auf umweltbewusste Marken.

In Punkto Aktualität der Mode setzen sie ebenfalls auf ein nachhaltigeres und entschleunigtes Konzept. Hier ist auch Kleidung aus früheren Kollektionen zu finden. Es geht bei unown nicht nur um das aktuelle It-Piece, das nach ein paar Wochen wieder aus der Mode ist, sondern um Kleidungsstücke mit Statement Charakter, die man auch nach Jahren noch tragen will.

 

Data Sharing für mehr Nachhaltigkeit

 

Immer mehr Modeunternehmen sehen das Potenzial hinter solchen Leasing-Modellen. Da ihnen selbst die Kapazitäten fehlen, können sie sich an unown und Co. wenden, die die nötige Technologie bereitstellt. In Revenue Share Modellen arbeitet der Leasing-Dienstleister mit den Partnern eng zusammen, indem sie Daten über die Kleidungsstücke austauschen. Darin ist nachzuverfolgen, wo sich das Gewand gerade befindet und in welchem Zustand es aktuell ist. Dabei hat unown herausgefunden, dass ein Kleidungsstück bis zu 12 Zyklen vermietet werden kann, anstatt nur zuvor geschätzte acht. Ein Zyklus beträgt ungefähr einen Monat. Durch dieses Data Sharing sind die Leasing-Anbieter auch schneller in der Beschaffung von Ware, da sie einsehen können welche Artikel besonders gefragt sind.

 

Prozess bei unown

 

Das Wachstum solcher Mode-Leasing Modelle wird in nächster Zeit auf 15-20% in Europa geschätzt. Neben unown gibt es noch weitere Anbieter mit ähnlichen Konzepten auf dem Markt. Unter anderem Myonbelle oder Mud Jeans, die sich auf das Leasen von Jeanshosen spezialisiert haben. Auch einige stationäre Second Hand Shops, wie die Kleiderei, bieten Mode zum mieten an. Wer nach Alternativen zum konventionellen Kauf und Verkauf sucht, wird auf jeden Fall fündig. unown selbst erhofft sich in der Zukunft neben dem Kaufbutton DER Leasing Button in Online Shops zu sein. Die restliche Abwicklung erfolgt dann über sie, ohne dass sie beim Endkunden sichtbar werden. Der Fokus liegt also klar auf einen B2B-Service-Modell für Brands, die sich für nachhaltige und umweltbewusste Mode einsetzen.

 

Tu was fürs Klima in weniger als 5 Minuten

Beendet Leasing die Fast Fashion Ära?

 

Die Lebensdauer von Kleidungsstücken mag sich dadurch verlängern. Vielleicht schaffen solche Leasing-Modelle tatsächlich, die heutige Wegwerfgesellschaft langfristig zu verändern. Doch auch bei dieser Innovation gibt es zwei Seiten der Medaille. Auch wenn der Kundin offen steht, das Kleidungsstück anschließend zu kaufen, ist der Kern der Idee eben das Leasen. Was kurzum eine 100% Retoure bedeutet. Bekanntlich sind die enormen Rücksendungen in Deutschland ein Riesenproblem, weshalb einige nachhaltige Unternehmen eine Retourengebühr einführen oder ihre Kunden bei einem Verzicht auf Rücksendung mit Gutscheinen, etc., belohnen wollen. So stellt sich die Frage, ob ein etablierter Leasing Anbieter wirklich nachhaltig agieren kann? Die Mode mag zwar zirkulär sein, doch das Problem der Transportwege und die damit verbundene Umweltbelastung bleibt bestehen. Wenn man den Gedanken weiter spinnt und davon ausgeht, dass in Zukunft die meisten Modehändler vom Verkauf auf Leasing umgesattelt haben, kann man davon ausgehen, dass die Fahrten sogar zunehmen. Das Problem der Beschaffung muss also noch geklärt werden. Auch steht die Frage im Raum, wie sich solche Modelle auf die Herstellung in den Produktionsländern auswirken. Würde wirklich weniger produziert werden, genauso viel oder gar mehr? Es ist zu erwarten, dass das Leasing das Kaufverhalten verändern wird. Während man beim Kauf oft aus finanziellen Gründen abwägt, ob man das ein oder andere Teil braucht, stellt sich die Frage beim Mieten weniger. Die Preise sinken und, wenn einem das Kleid doch nicht so zusagt wie gedacht, behält man es ja sowieso nicht. Man kann also davon ausgehen, dass noch mehr bestellt wird. Heißt das auch, dass dadurch noch mehr Ware produziert werden muss? 

 

Eine weitere Frage ist die Abhängigkeit der Jahreszeiten. Was passiert mit Wintermode während der Sommermonate? Wird sie eingelagert und in der nächsten Saison wieder zur Verfügung gestellt? Falls ja, wie viele Perioden kann man das so machen, bis die Ware tatsächlich aus der Mode ist und sich nicht mehr vermitteln lässt? Oder würde dadurch sogar ein Vintage-Leasing entstehen?

 

 

Muss man Mode erst limitieren, nicht für jeden verfügbar machen, damit sie nachhaltig sein kann? Viele Fragen bleiben noch offen. Doch mit solchen innovativen Leasing-Services wie unown wird eine Basis geschaffen, auf der es sich bauen lässt, um in eine umweltbewusste, nachhaltige (Mode-)Welt zu starten. Es bleibt spannend, wie viele große und kleine Fashion Brands an Leasing Modellen partizipieren werden. 

 

Unsere Watchlist zum Thema im K5 KLUB

 

  • unown-Gründerin Linda Ahrens im Video-Interview
    Das Geschäftsmodell von unown, Zusammenarbeit mit unown
    Zum Video
  • Cècile Wickmann über die aktuellen Entwicklungen im Second Hand
    Gründung von REBELLE, Influencer-Marketing für Second Hand, Pop up-Store
    Zum Video
  • Ein Marktplatz für Eco Fashion und Green Lifestyle – Interview mit Mimi Sewalski vom avocadostore
    Marktplatz-Modell, Greta-Effekt, Suffizienzmarketing, Content
    Zum Video

 

Hintergrundinfos: Climate Facts Fashion

 

Es ist kein Geheimnis, dass die Bekleidungsbranche die zweitgrößte verschmutzende Industrie auf der Welt ist. Während es früher zwei Kollektionen pro Jahr gab, gibt es mittlerweile eine pro Saison plus diverse Kapselkollektionen. Was erst vor vier Wochen auf den Markt kam, ist heute schon aus der Mode. Es wird doppelt so viel produziert wie noch vor 15 Jahren. Dabei wird ein Kleidungsstück 36% weniger oft getragen. Recycled wird nur 13% der abgelegten Ware. 25% der produzierten Ware kommt erst gar nicht auf den Markt und wird als Pre-Consumer Waste vernichtet. Zudem ist Dank der Billigmarken mit Shirts für 4 € Fast Fashion für jeden erschwinglich.

 

 

Die Lösung: Leasing

 

 

Damit auch jeder das angesagte It-Piece für kleinen Preis haben kann, wird bekanntermaßen in Billiglohnländern wie Bangladesch produziert. Abgesehen von der damit bereitwilligen Unterstützung von sozialer Ungerechtigkeit, ist dieses Fast Fashion Konzept in vielerlei Hinsicht schädlich für die Umwelt. In den Fabriken wird aus Kostengründen nur wenig Rücksicht auf die Einhaltung von Umweltstandards genommen. So wird auf die Verarbeitung und Entsorgung von chemischen Produkten, die man zum Beispiel beim Färben von Kleidung benötigt, nicht geachtet. Die giftigen Dämpfe werden von Arbeitern und umliegenden Anwohnern eingeatmet und steigen in die Luft. Kontaminierte Flüssigkeiten fließen in die Flüsse und Seen und vergiften nachhaltig Mensch und Natur. Von der negativen CO2-Bilanz, die durch die Transporte der Ware entsteht, ganz zu schweigen.

Von Lena-Maria Stahl

 

 

 

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