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Julia Bösch & Outfittery: Mit einem digitalen Personal Shopper gegen den Mainstream

Sep 15, 2021 | Fashion, Female in Retail, Home

Die meisten Männer gehen nicht gerne shoppen und versuchen es zu vermeiden. Weshalb also gerade einen Shop für Männermode eröffnen? Gerade deshalb! – Muss sich Julia Bösch bei der Gründung von Outfittery 2012 gedacht haben. 

 

Inspiriert wurde sie und ihre Mitgründerin Anna Alex von einem gemeinsamen Freund auf einem Shoppingtrip in New York. Auch er gehörte zu den unwilligen, nicht shopping-affinen Männern. Deshalb engagierte er einen Personal Shopper für 100$ die Stunde. Seine Begeisterung über das erfolgreiche Shopping-Erlebnis steckte die zwei Damen an und sie überlegten, wie sie diesen Luxusmoment für jeden zugänglich und convenient machen könnten. Curated Shopping ist in den USA selbst im E-Commerce keine Nische mehr, sondern eine erfolgreiche Alternative zu amazon und Co. (Wie auch ihr von den Trends in den USA frühzeitig profitieren könnt, haben wir Euch in einer Marktübersicht der USA zusammengestellt.)

Der digitale Personal Shopper Outfittery

 

Outfittery war geboren. Beziehungsweise eigentlich Paul’s Secret, wie der kuratierte Online-Shop kurzzeitig hieß, verriet Julia Bösch im ChefTreff Podcast. Nachdem Sven Rittau nach dem Launch die Gründerinnen darauf aufmerksam machte, dass es zu jener Zeit bereits ein Unternehmen mit diesem Namen gab, wurde der Name nach Launch nachträglich geändert.

 

Das Konzept des Personal Shopping Services Outfittery basiert aus der Mischung von Algorithmen, die mit Kundendaten gefüttert werden, und Stylisten, mit denen die Käufer auch persönlich in Kontakt treten können. Durch einen anfänglichen Fragebogen werden Infos über den Nutzer gesammelt hinsichtlich seiner Präferenzen und Größe. Der Stylist stellt dann durch die erworbenen Informationen die Outfits zusammen. Der Kunde kann sie anschließend zu Hause anprobieren und gibt ein ausführliches Feedback, was dann in die Datenbank aufgenommen wird. Auch das, was er zurücksendet, wird gespeichert, um beim nächsten Mal eine noch bessere individuelle Auswahl zu treffen.

 

Dank datengetriebenen Fashion Business zu 60 Mio. Finanzierung

 

Dank des datengetriebenen Modell gab es auch reichlich Unterstützung von Investoren. Insgesamt kamen um 60 Millionen USD zusammen. Auf die Frage hin, ob sich Julia Bösch davon bei der Skalierung nicht unter Druck gesetzt fühlt, entgegnet sie, dass die Investoren sehr zufrieden mit dem aktuellen Stand des Unternehmens sind.

 

Outfittery setzte sehr schnell auf Internationalisierung und ist neben Deutschland auch auf den Märkten in Skandinavien, DACH, Frankreich und den Benelux-Staaten vertreten. Durch ihre Erfahrung aus ihrem früheren Job bei zalando als Head of International Business Development hatte sie bereits das nötige Know How für eine erfolgreiche Marktdurchdringung in anderen europäischen Ländern. Julia Bösch berichtete auf der K5 DIGITAL 2021 auf was bei Internationalisierung zu achten ist, über die Zukunftspläne verriet sie aber nichts.

Mittlerweile ist Outfittery Marktführer für Personal Shopping mit einer Millionen aktiver Kunden. Zu den aktuellen Umsatzzahlen äußert sich Julia Bösch nicht, doch werden sie auf einen zweistelligen Millionen Bereich geschätzt.

 

“Wenn das Unternehmen wächst, muss man auch selbst zu 100% wachsen”

 

2019 kam der Zusammenschluss mit Modomoto, ein Unternehmen, was ebenfalls im Curated Shopping aktiv war. Seit dem Merge agieren die Firmen gemeinsam unter dem Namen Outfittery. Die Vereinigung stellte einige Hürden für Julia Bösch da. Nicht nur, dass sie Angst vor einem Scheitern des Merges hatte, musste sie sich auch persönlich als Unternehmerin weiter entwickeln. Denn wenn das Unternehmen wächst, muss man auch selbst zu 100% wachsen, so die Gründerin. “Umso besser du dich selbst kennst, desto besser kannst du andere führen und inspirieren.” 

 

Erfolgreich durch Diversität

 

Der Zusammenschluss klappte jedoch ziemlich gut, was nach Julia Bösch auch mit der Diversität der Mitarbeiter zu tun hatte. Sie wisse zwar nicht, ob der erfolgreiche Merge an der hohen Frauenquote liegt, aber es sei auf jeden Fall von Vorteil.

 

Auch so setzt sich Julia Bösch für Female Empowerment und Entrepreneurship ein. Das Thema Vorbild ist ihr dabei sehr wichtig. Ihr persönlicher Wunsch ist, dass Frauen mit Gründungsambitionen auf sie blicken und als Inspiration nehmen. “Mein allererster Rat ist: Tue es, probiere es!” Denn selbst wenn es nicht so läuft wie erhofft, bereue man im Alter eher das, was man sich nicht getraut hat, so Julia Bösch. Auch gibt sie den Tipp, eine Unternehmensgründung nicht gleich als lebenslanges Projekt zu betrachten, was viele davon abschreckt. “Man muss nicht für immer Gründerin sein”. Man sollte es mit Time Boxing probieren, zum Beispiel kann man sich als Gründer*in nach der Arbeit, während der Elternzeit oder nebenberuflich damit beschäftigen und schauen, wie es sich entwickelt, rät sie. 

 

Während ihre Mitgründerin Anna Alex mit dem nächsten Startup schon weitergezogen ist, will Julia Bösch Outfittery auf den internationalen Erfolgskurs bringen. Sie sieht mit ihrem digitalen Curated Shopping Service eine echte Alternative zu den Online-Plattformen, die auf Quantität statt Kuration setzen. Der Trend sei gerade erst im Kommen. Das Team der K5 wünscht ihr dabei viel Erfolg und wir freuen uns, auch in Zukunft von solch mutigen Frauen inspiriert zu werden!

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl

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