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Zirkulärer Handel – Momentum oder die Zukunft des Retails?

Sep 2, 2021 | E-Commerce Insights, Home, Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit und zirkulärer Handel sind ein Thema, mit dem wir uns nicht nur als Privatperson oder als Konsument*in beschäftigen. Auch der Handel setzt sich mit der Frage nach mehr Sustainability auseinander. 

 

Im Commerce Cast Podcast spricht Sven Rittau mit Yurdanur Yesilirmak, Presales Manager SAP Customer Experience von SAP, und Lukas Liebler, Co-Founder und Managing Director von Digital Renewables, über die aktuelle Lage des des zirkulären Handels. 

 

Corporate Social Responsibility

 

Erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit und Umweltschutz hat den neuen Handel erreicht. Unternehmen spüren den Druck von Politik und Wirtschaft, aber auch von Kund*innen und Mitarbeiter*innen. Die Sensibilisierung für dieses Thema wird immer höher. “Es ist kein Trend mehr, es ist wirklich eine konstante Gelegenheit, das voran zu treiben”, meint Yurdanur Yesilirmak. Sie erzählt, dass sich in Konzernen nicht mehr nur ein paar wenige Abteilungen mit “Corporate Social Responsibility” beschäftigen, sondern es sich von der Führungsebene in alle Abteilungen zieht und kommuniziert wird. 

 

Nachhaltigkeit ≠ Nachhaltigkeit

 

Doch noch ist klimaneutrales Agieren im Retail ein Differenzierungsmerkmal. Das Bewusstsein muss gestärkt werden, appelliert Yurdanur Yesilirmak. “Viele Unternehmen kaufen CO2-Zertifikate und denken, dass es damit jetzt erledigt ist. Im Gegenteil. Damit fängt man erstmal richtig an”, macht sie klar. Greenwashing ist ein großes Thema.

 

“Die Zertifikate spiegeln den Markt wieder wie er gerade ist. Es ist komplett intransparent”, meint Lukas Liebler von Digital Renewables, ein digitaler Marktplatz für erneuerbare Energien. “Es ist Aufgabe der gesamten Industrie, vor allem von uns aus dem Dienstleistungsbereich, da mehr Klarheit für den Kunden zu schaffen.” 

 

Eine Hürde, die bisher schwer zu überwinden war, sind die Kosten, die Klimaneutralität mit sich bringt. Produkte, um als Unternehmen umweltfreundlicher zu agieren, sind meist komplex und teuer. Vor allem in Deutschland wird auf die Kosten geachtet. Oft übernimmt diese dann die Kundschaft. Doch die Partner sind sich einig, dass das kein Hinderungsgrund sein sollte, in Nachhaltigkeit zu investieren und diese ihrem Kundenkreis anzubieten. Denn wem Sustainability und Umweltschutz wichtig ist, der wäre auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben. 

 

Auf dem Bild sind Lukas Liebler von Renewables und Yurdanur Yesilirmak von SAP zu sehen. Sie reden über Circular E-Commerce und Nachhaltigkeit im Commerce Cast mit Sven Rittau.

Durch vollautomatisierte Lösungen zum Hürdenabbau im zirkulären Handel

Digital Renewables hat sich zum Ziel gesetzt, mehr Transparenz in die Umsetzung von Nachhaltigkeit in Unternehmen zu bringen. Lukas Liebler geht davon aus, dass mit mehr Klarheit auch die Komplexität und der Kostenaufwand geringer wird. “Wir als Marktplatz wollen Klimalösungen als commodity etablieren”, lautet die Devise.

 

In dem Digital Renewables Unternehmen dabei hilft, klimaneutrale Lösungen für ihre individuellen Anliegen zu finden und vollautomatisierte Prozesse zu integrieren, damit Retailer möglichst nachhaltige Produkte liefern können, sollen die kontemporären Hürden abgebaut werden. So ist der Dienstleister momentan zum Beispiel in Zusammenarbeit mit SAP und anderen Konzernen in der Forschung, eine Maschine in die Lage zu versetzen, so effizient wie möglich zu arbeiten, um 100% klimaneutral zu agieren. Beispielsweise, indem die Maschine selbst den benötigten Grünstrom automatisch über die Plattform sourct. 

 

SAP rief die Climate 21 Initiative ins Leben und appelliert Händler und Brands sich ihnen anzuschließen. Verschiedene Lösungen sollen dabei helfen, die Wertschöpfungskette transparenter und klimaneutraler zu machen. Unter anderem wurde eine Software entwickelt, die z.B. den CO2-Fußabdruck eines Fahrrads entschlüsseln kann, indem sie die Beschaffung von Reifen, Sattel und Co. analysiert. 

 

Was haben wir für nachhaltige Trends im Handel zu erwarten?

 

Die Partner sehen vor allem zwei Themen zukünftig verstärkt im Fokus, wenn es um Nachhaltigkeit im Retail geht. Zum einen würde Recycling und Wiederverwertung im Handel weiter wachsen. Zum anderen werden Paketbündelungen bei Logistikunternehmen eine zentrale Rolle einnehmen, wenn es um Reduzierung von Lieferwegen und CO2-Einsparungen geht. 

 

Eine wichtige Rolle wird die UX im zirkulären Handel sein. Yesilirmak und Liebler gehen davon aus, dass die User Experience fest in den Prozessen integriert sein wird. Durch mehr Transparenz in der Produktbeschaffung wird den Kund*innen die Entscheidung überlassen, nachhaltig zu agieren. Beide Partner sehen es zukünftig in der Verantwortung der Unternehmen, ihren Kund*innen die Wahl zu lassen, doch Voraussetzung muss sein, eine nachhaltige Option anbieten zu können.

 

Auch wenn kleine Schritte Richtung Nachhaltigkeit manchmal unbedeutend wirken, so seien auch diese wichtig, gemacht zu werden: “Alle Unternehmen, die sich heute schon mit diesem Thema auseinandersetzen, ob’s dann am Ende ein relativ günstiges Zertifikat ist oder sonstiges, es ist alles der richtige Schritt in die richtige Richtung”, meint Lukas Liebler.

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl

 

 

 

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