Consumer to Manufacturer: Ist C2M der Game Changer für nachhaltigen Handel?

Gerade noch wird D2C als führendes Business Modell heiß diskutiert, da rückt auch schon ein neuer Trend in den Fokus des Onlinehandels: C2M – Consumer to Manufacturer. So lautet die Strategie, von der sich viele Brands und Hersteller den großen Erfolg erhoffen. In China und den USA ist das Geschäftsmodell schon gängig. Jetzt nimmt es auch immer mehr Fahrt in Deutschland auf. In der Tat scheint diese Strategie für die Zukunft, die ganz im Sinne der Nachhaltigkeit steht, eine wichtige Rolle zu übernehmen. Doch was genau ist C2M und wie kann es (erfolgreich) umgesetzt werden?

 

EIn Screenshot der Website von Flowers for Society

 

 

Der C2M-Pionier FLOWERS FOR SOCIETY 

 

Consumer to Manufacturer ist ein Modell, in denen die Kundschaft entscheidet, was die Hersteller produzieren. Ein Beispiel wie dieses Business in der Realität aussehen kann, ist die Berliner Sneaker Brand FLOWERS FOR SOCIETY. 

 

Hinter des frisch gegründeten Startups steckt Till Jagla. Er ist seit vielen Jahren im Sneaker Business und war das letzte Jahrzehnt bei adidas tätig. Till Jagla ist also ein wahrer Experte, wenn es um das Sneaker Universum geht. Und genau diese Expertise will er jetzt mit seinem eigenen digitalen Universum – Metaversum – umsetzen. Der Anreiz, sein eigenes Business aufzubauen, war der schleichende Identitätsverlust der Sneaker Community, welcher der Profitgier vieler zum Opfer gefallen ist. 

 

FLOWERS FOR SOCIETY tritt daher nicht als D2C Shop im herkömmlichen Sinne auf. Auf Website können nur Mitglieder der Community shoppen. Doch auch das Sortiment ist besonders, denn die Schuhe gibt es haptisch noch gar nicht. Kaufen kann man nur im Presale nach dem C2M Konzept. Es werden verschiedene Sneaker Modelle virtuell präsentiert, für die sich die Kund*innen entscheiden können. Nach der Entscheidung, welches Design es nun sein soll, kann der Artikel gekauft werden. Dann erst geht es in die Produktion. 

 

Mit diesem C2M Konzept werden zum einen Überproduktionen vermieden und zum anderen kann direkt auf das Bedürfnis der Kund*innen eingegangen werden. Consumer to manufacturer ist folglich nachhaltig und kundenfreundlich. 

 

 

C2M needs High Involvement 

 

Doch so spannend und zukunftsweisend das Consumer to Manufacturer-Modell nun sein mag, ist es definitiv nicht auf alle Produkte anzuwenden. “C2M funktioniert nur bei High involvement Produkten”, so Till Jagla. Ein einfaches T-Shirt wird man also nie erfolgreich mit dieser Strategie verkaufen können. Es muss Ware sein, bei denen die Käufer*innen von Anfang des Prozesses bis zur finalen Lieferung beteiligt sind. 

 

Ebenfalls muss dafür gesorgt werden, dass in der Zeit, in der die Ware produziert wird, die Kundschaft weiter Interesse an den Produkten behält. So wird die Wartezeit sinnvoll überbrückt und nicht zum negativen Kundenerlebnis. Nur so kann sich das Consumer to Manufacturer-Modell langfristig durchsetzen. 

 

Bei dem Berliner Startup FLOWERS FOR SOCIETY bekommt jede*r Customer beim Kauf ein individuelles NFT geschenkt. Hier wird das non-fungible token nicht nur als virtuelles Kunstwerk gehandelt, sondern als Zugang zur Community und allen Entwicklungen des Unternehmens, der Produkte und der Herstellungsprozesse. 

 

 

C2M: Strategie mit Zukunft oder Trenderscheinung? 

 

Eine engere Beziehung zwischen Kundschaft und Brand ist kaum möglich. Mit dem C2M Modell wird man schon vor der eigentlichen Herstellung involviert und wird Teil des Prozesses. Das steigert auch die Markentreue. Auch in Punkto Nachhaltigkeit kann diese Strategie überzeugen: Hergestellt wird nur, was die Kund*innen wollen. Eine Überproduktion ist damit ausgeschlossen. Retoure gibt es nicht. Doch die Frage ist, ob C2M sich auch langfristig durchsetzen kann oder die Kund*innen dem Trend überdrüssig werden. Denn so interessant und nachhaltig das Involvieren der Kund*innen ist, desto langwierig ist die Herstellung. Ein schnelle Bedürfnisbefriedigung ist ausgeschlossen. Zudem ist die Auswahl der möglichen Produkte, die mit einem C2M Modell funktionieren, begrenzt. Das heißt, bestimmte Kategorien, wie Dinge des alltäglichen, aber notwendigen Bedarfs, sind von vornherein ausgeschlossen.

 

Eine Consumer to Manufacturer-Strategie scheint also zunächst nur sinnvoll für Produkte zu sein, die nice-to-have sind. Die Überlebensdauer der C2M Brands muss noch herausgefunden werden. Auch FLOWERS FOR SOCIETY ist noch in der Findungsphase. Doch mit C2M Ansatz trägt das Startup auf jeden Fall nicht nur zu einer bunten Vielfalt des E-Commerce bei, sondern auch zu einer innovativen Zukunft, für die es sich lohnt neue, riskante Wege zu gehen. 

 

Du willst mehr über die Strategien von FLOWERS FOR SOCIETY erfahren? Dann schau Dir jetzt das ganze Interview von K5 Klartext Host Stefan Wenzel mit Gast Till Jagla in der K5 KLUB Mediathek an.

 

Stefan Wenzel & Till Jagla über C2M

 

 

Von Lena-Maria Stahl

 

 

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