Dagmar Chlosta, Managing Director von Faber-Castell Cosmetics: „Traut Euch. Und glaubt an Euch.“

Faber-Castell Cosmetics produziert seit 1978 Produkte für die Kosmetikindustrie. Im Jahr 2019 übernahm Dagmar Chlosta, nach Führungspositionen bei Unternehmen wie adidas oder Under Armour, die Managing Director Position des B2B-Kosmetikherstellers. Mit der K5 Redaktion sprach Dagmar in einem exklusiven Interview u.a. über Female Leadership in verschiedenen Unternehmensgrößen, Tipps für Frauen mit Führungsambitionen und ihre Zukunftswünsche für Female Leader.

 

 

Was müssen Frauen tun für mehr (weibliche) Sichtbarkeit? Was Männer?

 

Als erstes denke ich, dass es keinen Unterschied machen sollte, ob Mann oder Frau – wenn man mehr Sichtbarkeit erlangen möchte, so greifen die gleichen Ansätze. Networking, Social Media Präsenz, Teilnahme an Events, Engagement in Clubs und Verbänden, Public Speaking, Circle of Trust… also sich mit einer Gruppe von Menschen umgeben, die sich gegenseitig unterstützt und füreinander da ist. 

 

 

 

Was macht für Dich Female Leadership aus?

 

Empathie. Team First. Das Grosse Ganze im Blick haben. Humility. Im Deutschen ist der Begriff Humility schwierig mit Demut zu übersetzen. Aber für mich ist es ein ganz wichtiger Aspekt in meinem Leadership Style. Putting others first. Und vor allem – sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Humor und eine insgesamt positive Grundeinstellung sind m.E. ebenfalls essentiell. 

 

 

 

Welche Vorteile bieten mittelständische Unternehmen Frauen mit Führungsansprüchen? Welche Nachteile?

 

Da ich sowohl in Konzernen, als auch im Mittelstand in der ersten bzw. zweiten Ebene gearbeitet habe, denke ich, einen guten Eindruck von beiden Welten zu haben. Im Konzern war es, als ich dort tätig war und das Thema Female Leadership noch weitestgehend über die unbeliebte Quote thematisiert wurde, ungleich schwieriger ganz an die Spitze – sprich in die Vorstandsebene zu kommen, da das Prinzip “gleich und gleich gesellt sich gern” gelebt wurde. Sprich die Vorstände zogen Kollegen vor, die ähnliche Lebensmodelle wie sie, einen ähnlichen Background und eine ähnliche Prägung hatten. Damals war Diversity noch die unterschiedliche Frisur oder maximal eine unterschiedliche Nationalität der männlichen Führungsriege. Frauen wurden, wenn sie denn überhaupt vorkamen, ausnahmslos in das für Frauen offensichtlich so geeignete, da emotional aufgeladene Resort, Human Resources gesteckt. Im Mittelstand ergab sich zumindest für mich die Möglichkeit, die schon lange gewünschte end to end Verantwortung als Geschäftsführer zu übernehmen. Der Nachteil besteht für mich darin, dass allein aufgrund der Größe des Unternehmens viele Dinge nicht so einfach möglich sind, wie das im Konzern der Fall war. Auch die im Konzern selbstverständliche Internationalität geht mir persönlich schon ab. Dafür ist es ein sehr viel direkteres Führen und eine höhere Accountability. 

 

 

 

Tipps für Female Leadership?

 

Be yourself. Ich glaube, viele Frauen kämpfen mit dem Imposter-Syndrom – sprich sie trauen sich nicht wirklich zu, den Job auch zu schaffen und denken, irgendwann finden die anderen heraus, dass ich es vielleicht doch nicht kann. Da sind uns Männer nach meinem Dafürhalten um Längen überlegen. Also einfach mal machen. Traut Euch. Und glaubt an Euch. So what, wenn der eigene Leadership Style sich von dem der Kollegen unterscheidet. Jede Person muss für sich definieren, was sie für richtig hält und mit ihren Werten in Einklang bringen kann. 

 

 

 

Im Berufsleben wird oft von “typisch männlichen” Fähigkeiten und “typisch weiblichen” Fähigkeiten gesprochen – wobei die männlichen positiv und die weiblichen negativ konnotiert sind. Glaubst du, dass da ein Funken Wahrheit drin steckt?

 

Ein klares “Nein”. Ich wüsste ehrlich gesagt auch gar nicht, was die typisch männlichen und die typisch weiblichen Fähigkeiten sein sollten. Das Thema Frauen seien emotionaler, Männer eher rational ist m.E. nach schon lange überholt. Ich habe in meiner Lebensgeschichte eigentlich noch nie einen Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht. Am Ende des Tages sind wir alle Menschen und das ist was zählt. Allerdings muss ich auch sagen, dass mein Gegenüber dies teilweise nicht so gesehen hat. Nichtsdestotrotz – Fähigkeiten, Führungsstil, das sind sehr individuelle Dinge und nach meinem Dafürhalten unabhängig vom Geschlecht. Sie haben viel mehr mit unserer Prägung, mit unseren Erfahrungen, unserer Vergangenheit zu tun. Und sie ändern sich ja auch ständig. 

 

 

 

Wo sind Frauen als Leaderinnen den Männern überlegen? Wo nicht?

 

Auch wenn das jetzt im Gegensatz zu meinem soeben gemachten Statement steht, so denke ich schon, dass Frauen ggf. empathischer führen als Männer. Und vielleicht auch intuitiver. Männer, also die, die ich im Laufe meiner Karriere kennenlernen durfte, sind oftmals mehr “Teflon” – sprich sie nehmen sich die Dinge viel weniger zu Herzen. Es prallt an ihnen ab. Aber auch hier habe ich Frauen kennengelernt, die genauso sind und Männer, die sehr selbstreflektierend sein können. 

 

 

 

Wie siehst Du die Zukunft für Female Leader/Gründerinnen/Gleichberechtigung?

 

Ich hoffe, sie wird eine souveräne und selbstverständliche sein. Sprich, dass wir gar nicht mehr unterscheiden müssen zwischen männlichen und weiblichen Leadership. Dass wir uns keine Gedanken mehr machen müssen, ob es eine Quote braucht. Dass wir uns nicht mehr in Grabenkämpfen ergehen. Dass es schlicht und ergreifend völlig egal ist, welches Geschlecht man hat und, dass nur zählt, was für ein Mensch das ist, der führt, gründet, gestaltet und umsetzt. 

 

 

 

Mit welchem Klischee würdest Du gerne brechen?

 

Mit der früher oftmals genannten Stutenbissigkeit. Sprich, dass Frauen keine Frauen neben sich dulden oder fördern wollen. Das ist in meiner Erfahrung nie so gewesen. Ich hatte leider nur ein einziges Mal für kurze Zeit die Freude an eine Frau zu berichten, aber das war eine bereichernde Erfahrung. Also: gegenseitige Unterstützung und ‚gönnen können‘ – das ist eine gute Basis für jedes Leadership.

 

 

 

Der Podcast für den Female Retail

 

Wenn Du Dir noch mehr Tipps, Erfahrungsberichte und Insights von Female Leadern oder Gründer*innen wünscht, dann hör‘ doch mal in unseren K5 Podcast Female in Retail rein. Verena Schlüpmann und Verena Lindner sprechen in diesem Podcast mit den Female Foundern der Stunde und liefern Dir die spannendsten weiblichen Einblicke und Erfolgsgeschichten aus dem Future Retail.

 

Female in Retail Podcast K5 GmbH Muenchen

 

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