Das Geschäft mit dem Schlaf – wenig Aufwand, großer Ertrag?

Im Laufe unseres Lebens verbringen wir Menschen durchschnittlich 9.125 Tage oder 219.000 Stunden mit Schlaf. Er ist ein unumstößlicher Teil der menschlichen Lebensrealität und weit mehr als ein Grundbedürfnis. Denn fehlender Schlaf kann fatale Folgen für die physische und psychische Gesundheit von Menschen haben. Besonders der Begriff “Schlafhygiene”, also die Förderung von erholsamen, guten Schlaf, hat zunehmend an Bedeutung gewonnen. Dass auch der Handel im Allgemeinen und der E-Commerce im Besonderen das Bedürfnis nach gutem Schlaf für sich nutzen, ist daher nicht überraschend. Doch wie sieht das Geschäft mit dem Schlaf aus und hat es langfristig Potenzial? 

 

Geschlafen wird immer

Die Voraussetzungen für den Absatz von Produkten rund um die Schlafhygiene sind denkbar günstig. Das liegt nicht nur an Schlaf in seiner Kapazität als Grundbedürfnis. In den vergangenen 15 Jahren sind Bildschirme bekanntermaßen auch außerhalb des beruflichen Alltags zu unseren ständigen Begleitern geworden. Die Etablierung von Smartphones, Tablets und ähnlichen Geräten hat zwar unzählige Vorteile mit sich gebracht, aber hat auch negativen Einfluss auf den menschlichen Schlaf. Dieser reicht von Licht mit sehr hohem Blauanteil, das die Melatoninproduktion einschränken kann, bis hin zur Störung des Schlafrhythmus durch exzessiven Nutzung diverser Geräte bis in die frühen Morgenstunden.  Zudem können auch andere äußere Umstände, etwa Angst und Druck, die Schlafqualität stark beeinflussen. Nicht zuletzt die vergangenen zwei Jahre dürften das für viele Menschen verdeutlicht haben.

Bild einer Statistik zur Schlafqualität

 

Diese Entwicklungen haben eine Marktlücke geliefert: einfach zugängliche Unterstützung für konsequent guten Schlaf. Selfcare-Produkte, die versuchen den schnellen, stressigen, stark digital geprägten Alltag vieler Menschen auszugleichen. Und wie beinahe alle Marktlücken des letzten Jahrzehnts hat auch diese ihren Platz im Online-Handel gefunden. 

 

Ein therapeutischer Ansatz wird zum Hit

Das Angebot an Produkten für gute Schlafhygiene geht inzwischen auch im E-Commerce weit über Matratzen hinaus (in der 97. Folge unseres K5 Podcasts ChefTreff erfährst Du am Beispiel von Emma – The Sleep Company noch mehr über das Geschäftsmodell). Manche sorgten sogar für einen regelrechten Hype. Seit rund zwei Jahren sind bspw. hellauf begeisterte Berichte über sogenannte Therapiedecken (Gewichtsdecken) auf verschiedenen Plattformen und in den sozialen Medien zu finden. Diese Decken bestehen aus diversen Segmenten, die mit Kunststoffgranulat o.ä. gefüllt sind und sollten etwa 10% des eigenen Gewichts wiegen. Entwickelt wurden sie für therapeutische Zwecke zur Unterstützung von Personen mit bspw. Entwicklungsstörungen oder Demenz. Besonders bei Schlaf- und Angststörungen haben sich diese Decken als sehr hilfreich erwiesen.

 

Screenshots eines Shops für Therapiedecken

 

Urszula Krzyzanowska, eine Kindertherapeutin aus Polen, machte aus der Not eine Tugend – und ein erfolgreiches Start Up. Einer ihrer jungen Patient*innen benötigte eine Gewichtsdecke, doch die waren in Polen nirgends erhältlich. Urszula nähte dem Patienten die Decke also selbst und gründete kurz darauf ihr Start Up Senso-Rex. Zu dem 450 Mitarbeiter*innen starken Unternehmen gehört u.a. auch der Shop TherapieDecken.de

 

Kleine Fläschchen für große Wirkung

 

Noch unkompliziertere Schlafförderung findet sich in Form von Schlaf-Sprays, – Drinks oder -Cremes. Auch diese Produktkategorie wurde als Marktlücke ausgemacht und von einigen Start Ups abgedeckt. Die 2015 gegründete Smart Sleep GmbH hat ein ganzes Sortiment an Kissen und Nahrungsergänzungsmitteln im Angebot, darunter auch ein Melatonin-Einschlaf-Spray. 

 

Screenshot eines Shops für Einschlafhilfen

 

Ein Berliner Start Up brachte mit sleep.ink neben einem Schlaf-Drink ebenfalls ein Schlaf-Spray sowie Tee und Fruchtgummis auf den Markt. Der Erfolg der Einschlaf-Hilfen überzeugte auch den Pharmahersteller Dr.Kade, der den größten Teil der Brand übernahm.

 

Screenshot eines Shops, der einen Schlafdrink verkauft

 

Die genannten Beispiele sind selbstverständlich nicht die einzigen Brands, die sich auf verbesserte Schlafhygiene spezialisiert haben. Ein Bestseller von This Place, einem Berliner Hersteller für funktionale Naturkosmetik, ist eine Schlafcreme mit CBD und pflanzlichem Melatonin. Und auch das ebenfalls in Berlin ansässige Funtioncal Food-Unternehmen Primal State hat ein Melatonin-Schlaf-Spray im Sortiment. 

K5 Konferenz 2022 Early Bird Ticket sichern

Die zugängliche Lösung ist attraktiv und aktuell

 

Was die Brands hinter den Einschlafhilfen eint, ist ihre Message und die Herangehensweise an das Thema Schlafhygiene. Für guten und erholsamen Schlaf muss kein Weg in die Apotheke und zum Hausarzt nötig sein. Denn insbesondere online ist das Angebot an Produkten zur Schlafunterstützung inzwischen beachtlich, was sicher auch dem allgemeinen Fokus auf das Thema Selfcare zu verdanken ist. Die kleinen Widrigkeiten des Alltags werden in die eigene Hand genommen – und gute Schlafhygiene ist so nur drei Klicks und 1 bis 2 Werktage entfernt. 

Und das langfristige Potential für den Markt ist groß. Zwischen 20 und 30% der deutschen Bevölkerung haben gelegentlich mit Schlafproblemen zu kämpfen, um die 6% leiden sogar unter chronischen Schlafstörungen. Diese Zahlen spiegeln sich auch in den Umsätzen mit rezeptfreien Schlafmitteln wieder, die 2020 in Deutschland bei fast 200 Millionen Euro lagen. Die Aussichten für Produkte, die noch bequemer zu erwerben und zu verwenden sind, sind entsprechend gut. Schnelle und komfortable Lösungen können schließlich Gold wert sein.

 

Von Katrin Grieser

 

AUCH INTERESSANT:

Das Bild zeigt vier Menschen, die sich auf einer Wanderung im Arm halten. Das Bild soll die Zufriedenheit symbolisieren, die ein gutes Team ausmacht. In der linken oberen Ecke ist das K5 Logo zu sehen

Hoch motiviert im Job: Wie die Mitarbeiterzufriedenheit gemessen und gesteigert werden kann

Erfolgreiche Gründerinnen Julia Bösch

Nahrungsergänzungsmittel für die Generation Z – ästhetisch und unkompliziert zur Selbstoptimierung

Beitragsbild für die Blogserie Frauennetzwerke. Diesmal das Frauennetzwerk Panda von Isabelle Hoyer.

Frauennetzwerke: PANDA – Frauen in Führung