Die heiß umkämpfte Food Delivery Branche: Wer wird der Spitzenreiter?

Die Food Delivery Branche ist eine der wenigen, die dank der Pandemie einen enormen Aufschwung erlebt hat und so schnell nicht mehr aus dem Alltag der Kund*innen weggehen wird. Während vor Corona in Deutschland der einzig nennenswerte Lieferservice lieferando war, welcher sich hier nahezu eine Monopolstellung gesichert hat, sprießten in den vergangenen zwei Jahren ein Lieferdienst nach dem anderen aus dem Boden. Europaweit ist das Angebot von Quick Commerce Diensten exponentiell gewachsen. 2021 ist mit 16 neuen Food Lieferanten das aktuelle Rekordjahr seit der Etablierung von Deliveryservices mit getir im Jahr 2015. 

 

 

Eine Grafik der aktuellen Entwicklungen der Food Delivery Branche

Die aktuelle Entwicklung der Food Delivery Branche mit Fokus auf Quick Commerce in Europa. © Jordi Fernandez via Stefan Wenzel auf Twitter (@stewenz)

 

 

 

Dabei ist nicht mehr nur das Restaurantessen im Fokus der Delivery Anbieter. Vom Wocheneinkauf aus dem Supermarkt bis hin zur Naturkosmetik aus dem Conceptstore nebenan lässt sich alles liefern, was das Kund*innenherz begehrt. Doch so umfangreich die Food Delivery Branche mittlerweile geworden ist, desto umkämpfter ist auch der Platz um den Spitzenreiter. Die europäischen Unternehmen haben jetzt Konkurrenz vom amerikanischen Big Player DoorDash bekommen. 

 

Der Food Delivery Konzern ist nun seit knapp zwei Wochen auf dem deutschen Markt in Stuttgart vertreten. Der Standort wurde bewusst gewählt, da man sich erst auf kleinere Städte mit einer weniger starken Food Delivery Infrastruktur konzentrieren will. In den USA besitzt das Unternehmen einen Marktanteil von über 50%. DoorDash beschäftigt dort um die eine Mio. Fahrer und kooperiert mit ca. 450 000 Händlern. Das besondere an DoorDash ist nicht nur die schnelle Lieferung, sondern, dass auch aus Restaurants und kleinen Spezialgeschäften, wie Kaffeeröstereien, geliefert wird.

 

 

E-Food Trend: Convenience trifft auf Hofladen

 

Der Trend zum Besonderen fasst auch immer mehr im deutschen Raum Fuß. Seit dem Sommer ist der tschechische Food Delivery Service Rohlik, hier bekannt als Knuspr, auf dem Markt. Bis Dato ist der Lieferservice nur in München aktiv. Mit der Mischung aus Lebensmitteln des täglichen Gebrauchs und Besonderheiten aus dem Hofladen, überzeugte der Anbieter den Heimatmarkt sowie die Länder Österreich und Ungarn. Mittlerweile ist der Food Delivery Dienst in Zentraleuropa führend und plant 2022 einen massiven Ausbau nach Italien, Spanien und Rumänien. Mit einer 100 Mio. Investition vergangenen Juli erreichte Rohlik den Unicorn Status. Mehr zu Knuspr kannst Du in der K5 KLUB Mediathek erfahren und bald im ChefTreff Podcast mit Sven Rittau.

 

 

Die Konkurrenz im Quick-Commerce 

 

Die Lieferzeit bei Knuspr beträgt drei Stunden, wohingegen die Fast Delivery Anbieter Gorillas und Flink auf Quick Commerce setzen und mit wenigen Minuten Lieferdauer werben. Das Sortiment konzentriert sich auf Convenience Lebensmittel. Während der Lieferservice Gorillas zunehmend wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Negativschlagzeilen gerät, erregte Flink zuletzt durch eine 400 Mio. Dollar Beteiligung von DoorDash Aufsehen. Ebenfalls an Bord von Flink ist Supermarkt-Gigant REWE

 

Zudem ist interessant, dass DoorDash vor Kurzem den finnischen Food Delivery Anbieter Wolt für 7 Mrd. € in Aktien übernommen hat. Wolt, der die Konkurrenz zum Noch-Monopolisten lieferando in Deutschland aufgenommen hat, liefert neben Restaurantessen auch aus kooperierenden Stores, wie Blumenläden, Kosmetikgeschäften oder dem nächsten Späti. 

 

 

DoorDash mit einer Mehrmarkenstrategie zum erfolgreichen Start?

 

Sowohl Flink, als auch Wolt laufen weiter unter ihren Markennamen. Es wird deutlich, dass DoorDash die europäische Food Delivery Branche  durch eine Mehrmarkenstrategie durchdringen und sich als Plattform etablieren will. Ob ihm das gelingt, bleibt abzuwarten. Zuvor hatte Delivery Hero mit einem ähnlichen Konzept (pizza.de, lieferheld.de) es in Deutschland versucht und ist schlussendlich gescheitert. Das deutsche Geschäft wurde vor knapp 3 Jahren für 1 Mrd. € an die Konkurrenz von lieferando verkauft. 

 

 

Mit Foodpanda zum deutschen Comeback 

 

Sein Comeback auf dem deutschen Food Delivery Markt versucht Delivery Hero aktuell mit Foodpanda. Der Lieferdienst bringt Resataurantessen, aber auch alltägliche Produkte von Shops aus der Umgebung. Darüber hinaus besitzt das Unternehmen wiederum Anteile am Bringservice Gorillas

 

Auch wenn Delivery Hero aktuell eine One Brand Strategie verfolgt, wird Foodpanda Gründer Ralf Wenzel nicht müde weiter Quick Commerce Modelle in der Food Delivery Branche zu gründen. Mit JOKR landet er den nächsten Coup. Zwar ist der Lieferservice noch nicht in Deutschland aktiv, steigt jedoch auch jetzt schon zum Unicorn auf dank Gorillas Investor G Squared, wie deutsche startups berichtete. JOKR ist derzeit in 11 Städten weltweit, u.a. in Wien und Warschau, mit über 200 Standorten aktiv. 

 

Die Quick Commerce-Anbieter wie Gorillas, die überwiegend auf herkömmliche Supermarktprodukte setzen, bekommen nun Konkurrenz von Alpakas. Dieser ist bis jetzt nur in Berlin unterwegs. Der Food Delivery Service setzt auf nachhaltige Convenience. Die Lebensmittel werden alle plastikfrei in einem Mehrwegsystem verpackt. Zwar kann man nicht von einem Lieferslot innerhalb von wenigen Minuten sprechen, jedoch wird garantiert, dass die Lieferung am selben Abend erfolgt. 

 

 

 

 

Die Food Delivery Branche “quick” zusammengefasst:

 

Laut supermarktblog Autor und Branchenexperten Peer Schader geht der Trend eindeutig Richtung Schnittstelle von Quick Commerce und qualitativ hochwertigen Wocheneinkauf, wie Knuspr es bereits vormacht. Nachhaltigkeit wird nach der Pandemie auch eine wichtige Rolle spielen, wo ein schneller Lieferdienst an zweiter Stelle stehen wird. Monopolist lieferando hingegen habe die Welle verpasst, außer Restaurants auch aus anderen Bereichen zu liefern. DoorDash, welcher sich durch die Beteiligung an Flink und die Übernahme von Wolt in den europäischen Markt eingekauft hat, sei noch in der Findungsphase. Es bleibt abzuwarten, ob sich der US-Riese als Plattform in Europa, vor allem in Deutschland, etablieren lässt und, ob die Mehrmarkenstrategie aufgehen wird. Delivery Hero schafft mit seiner neuen und einzigen Marke Foodpanda den Weg zurück nach Deutschland. 

 

Man stellt also schnell fest, dass der Kampf um den ersten Platz in der Food Delivery Branche innerhalb Deutschlands heiß umkämpft ist. Doch sieht es so aus, als würde das Rennen schlussendlich unter drei Big Playern ausgemacht werden: Justeattakeaway.com mit lieferandoDelivery Hero mit der Marke Foodpanda, aus dessen Gründungshaus auch JOKR kommt – was wiederum vom Amerikaner und Gorillas-Investor G Squared finanziert wird – und dem Amerikaner DoorDash mit der Übernahme von Wolt und Anteilen an Flink.

 

Die ganze Einschätzung von Peer Schader mit allen spannenden Fakten rund um das Thema Food kannst Du Dir In der K5 KLUB Mediathek anschauen.

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl

 

 

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