momox ist eines der führenden Secondhand-Plattformen Deutschlands. Gegründet wurde das Unternehmen 2004 von Christian Wegner. Angefangen hat alles mit dem An- und Wiederverkauf von Büchern. Mittlerweile ist momox auch im Fashion-Secondhand-Markt groß im Geschäft. Lenia Karallus, Chief Commercial Officer (Fashion) von momox ist bei der K5 Redaktion exklusiv im Interview und gibt tiefe Einblicke in ein sehr erfolgreiches Jahr 2023.

Wie ist das Geschäftsmodell aufgebaut?

 

Unser Geschäftsmodell basiert auf dem An- und Verkauf von Second Hand Büchern, Medien und Fashion. Wir bieten Kund:innen die Möglichkeit, ihre nicht mehr benötigten Artikel super einfach und schnell an uns zu verkaufen, und verkaufen diese dann über unsere eigenen Onlineshops sowie weltweit über Marktplätze weiter. So machen wir Second Hand für jeden zugänglich. 

 

Unsere Vorteile im Ankauf sind vor allem die einfachen Prozesse, mit drei Klicks ist jeder Fashion Artikel verkauft. Außerdem profitieren unsere Kund:innen von Festpreisen. Im Verkauf überzeugen günstige Preise bei gleichzeitig geprüfter Produktqualität und eine Customer Experience, welche sich nicht vom First Hand Kauf unterscheidet. Darüber hinaus ist natürlich Nachhaltigkeit unser größter USP, Kund:innen können auf einfachste Weise Ressourcen sparen. Denn die effektivste Art, Emissionen im Handel zu sparen, ist, Produkte gar nicht erst neu produzieren zu müssen.

Wie funktioniert momox für Kunden?

 

Bei momox können Kund:innen ganz leicht nicht mehr benötigte Sachen loswerden. Sie können einfach die momox App oder Website nutzen, die entsprechenden Kategorien eingeben und erhalten sofort ein Angebot. Nachdem die Artikel kostenfrei an uns versendet wurden, überprüfen wir, ob sie unseren Ankaufsbedingungen entsprechen. Wenn das der Fall ist, erhalten die Kund:innen direkt ihr Geld. Seit wenigen Wochen haben die ersten Nutzer:innen sogar die Möglichkeit, beide Kategorien (Fashion sowie Bücher und Medien) in einer App zu verkaufen. Dies war ein lang geplantes Projekt von uns, das nun nach und nach aktiviert wird.

 

Ist die Qualitätskontrolle beendet und die Verkäufer:innen haben ihr Geld erhalten, bieten wir Käufer:innen dann genau diese Second Hand Produkte zu günstigeren Preisen als Neuware an. 

Wie hat sich das Secondhand Geschäft seit der Gründung von momox verändert?

 

Seit unserer Gründung haben wir eine stetig wachsende Akzeptanz für Second Hand Produkte erlebt. Gerade in den letzten Jahren erlebt der Handel mit gebrauchten Waren aber nochmal einen regelrechten Boom: von 2021 auf 2023 ist der Markt alleine in Europa um 30 Prozent gewachsen, bis 2026 wird er sich verglichen mit 2021 fast verdoppelt haben (Marktvolumen 2021: 30 Mrd. Euro, Marktvolumen 2026: 55 Mrd. Euro). Das gestiegene Umweltbewusstsein hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen gebrauchte Artikel kaufen und verkaufen möchten. Second Hand hat schon lange nicht mehr das negative Image von früher, sondern ist eine sehr gute und vor allem etablierte Alternative geworden. Hinzu kommt natürlich, dass Menschen seit der Inflation mehr auf ihr Geld achten müssen und auch da gerne zu günstigeren Alternativen greifen. Außerdem hat Covid dazu geführt, dass Menschen vermehrt online verkauft und eingekauft haben. Das alles hat zu einem erheblichen Wachstum unseres Geschäfts beigetragen.

Unser letzter Second Hand Fashion Report hat herausgefunden, dass 67 Prozent schon mal Second Hand Kleidung gekauft haben. Die meisten, nämlich 87 Prozent, machen das, weil es gut für die Umwelt ist. Und 83 Prozent, weil es eben günstiger ist als neue Kleidung. Vor ein paar Jahren war Preis noch der Haupttreiber beim Kauf von Second Hand.

 

Wer sind Eure Kunden und wie erreicht Ihr diese?

 

Im Fashion Bereich sind im An- und Verkauf über 60 Prozent unserer Kund:innen weiblich. Bei momox fashion dominieren derzeit Millennials und Gen X und tragen entscheidend zum Umsatz bei. Aber auch Gen Z gewinnt zunehmend an Bedeutung. Eine Umfrage unter unseren Kund:innen hat gerade erst ergeben, dass Gen Z mit 80 Prozent Zustimmung die Altersgruppe ist, die Second Hand am stärksten sogar schon als feste Alternative für das Geschenke-Shopping an Weihnachten sieht.

 

Unsere Bestandkund:innen erreichen wir durch Newsletter, unsere App und gezielte Content- sowie Social-Media-Kampagnen. Auch die Neukundengewinnung erfolgt vor allem über Social Media. Wir arbeiten auch mit Influencer:innen, um eine jüngere Zielgruppe anzusprechen.

K5 Female in Retail Podcast

Female in Retail – der Podcast für alle Macherinnen aus dem digitalen Handel

Im Female in Retail Podcast sprechen unsere Moderatorinnen Verena Lindner und Verena Schlüpmann alle 10 Tage mit den spannendsten Frauen des Onlinehandels, wie z.B. Isabel Bonacker, Tina Müller, Miriam Jacks oder Dr. Anne Latz. Hier erfährst Du alles rund um Gründerinnen und weibliche Erfolgsgeschichten im Future Retail. Alle Folgen findest Du hier und auf allen gängigen Podcast-Kanälen. Reinhören lohnt sich!

Was sind die größten Herausforderungen, die momox zu bestreiten hat(te)?

 

Wir haben es uns zur Herausforderung gemacht, unsere Prozesse immer mehr durch Automatisierung und KI zu unterstützen, insbesondere durch den Einsatz von Bilderkennungssoftware. Seit einem Monat ist im Ankaufsprozess eine KI live, die den manuellen Prozess unterstützt. 

 

Eine weitere ständige Herausforderung besteht darin, präzise zu analysieren, welche Artikel wir ankaufen sollten, um sicherzustellen, dass sie weiterverkauft werden können. Das erfordert eine gründliche Marktanalyse, um Verkaufstrends im kommenden Jahr zu identifizieren, sowie die Entwicklung einer guten Pricing-Strategie, die Angebot und Nachfrage matched. Wir möchten attraktive Preise anbieten, die gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll sind, und dies erfordert eine kontinuierliche Anpassung unserer Strategien, um den sich wandelnden Marktbedingungen gerecht zu werden. Auch hier nutzen wir zur Preissteuerung unsere selbst entwickelte KI.

2023 ist laut Insidern das umsatzstärkste Jahr für momox, was hat dazu geführt? 

 

Insbesondere im ersten halben Jahr haben wir im Bereich Fashion einen Fokus auf Profitabilität gesetzt. Wir haben bewusst Maßnahmen ergriffen, die kurzfristig zu einer leichten Verringerung der Umsätze geführt haben, jedoch langfristig eine nachhaltige Profitabilität gewährleisten. Zusammen mit dem seit Jahren stabilen Kerngeschäft Bücher & Medien hat dies zu einem erneuten Umsatzwachstum geführt. 

 

Unsere Strategie umfasste eine noch präzisere Steuerung von Pricing und Marketing, wobei wir uns intensiv mit allen relevanten Aspekten beschäftigt haben. Durch diese gezielten Maßnahmen konnten wir nicht nur die Rentabilität steigern, sondern auch eine solide Grundlage für das gesamte Jahr schaffen. Der Markt gibt uns hierfür gerade aber auch glücklicherweise ordentlich Rückenwind. 

Was sind die Zukunftspläne von momox?

 

Die Zukunftspläne von momox sind klar auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet. Für momox fashion sehen wir erhebliches Potenzial für Expansion, sowohl auf dem deutschen Markt als auch in Frankreich, unserem zweiten Markt, den wir Mitte des Jahres erfolgreich gestartet haben, sowie auch auf weiteren Märkten.

Was sind aktuelle Baustellen, an denen Ihr arbeitet?

 

Aktuell fokussieren wir uns auf verschiedene Baustellen, um kontinuierlich Fortschritte zu erzielen. Ein großes Anliegen ist weiterhin die Intensivierung unserer Bemühungen in Richtung Nachhaltigkeit, sowohl im Hinblick auf unsere Unternehmenspraktiken als auch auf unsere Produkte und Dienstleistungen. Im letzten Jahr haben wir es schon geschafft unseren CO2-Fußabdruck drastisch zu senken und da wollen wir natürlich weitermachen.

 

Des Weiteren setzen wir weiterhin verstärkt auf die Integration von KI. Wir sind hier schon gut aufgestellt, aber möchten in allen Unternehmensbereichen noch besser werden. Ein Fokus liegt in den kommenden Monaten darauf, durch KI die Customer Journey zu optimieren und unseren Ankaufsprozess innovativer zu gestalten. Das ist super spannend! 

 

Und last but not least natürlich Internationalisierung für alle Kategorien. Mit Frankreich haben wir nur den ersten Step gemacht und wir freuen uns, Europa weiterhin mit Recommerce zu erobern. 

Was ist das größte Erfolgserlebnis von momox?

 

Das ist schwierig, kurz zusammenzufassen. Für mich ist das größte Erfolgserlebnis natürlich der erfolgreiche Aufbau von momox fashion als zweiten Unternehmensbereich, der im letzten Jahr 66 Mio. Euro des Jahresumsatzes ausgemacht hat. Mit Frankreich sind wir nun auch international gestartet und haben noch viel vor. Durch unsere Fokussierung auf Profitabilität schaffen wir es in Zukunft nicht nur nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen, sondern auch einen bedeutenden Fortschritt in der Branche vorzuweisen.

 

Wir haben es außerdem geschafft zu zeigen, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sich in der Fashionbranche nicht ausschließen, sondern im Re-Commerce auch gute Margen erreicht werden können. 

Wie haben das Weihnachtsgeschäft und andere Peak Seasons Einfluss auf momox?

 

Das Weihnachtsgeschäft und andere Spitzenzeiten beeinflussen definitiv auch momox. Wir beobachten, dass der Verkauf von Second Hand Fashion je nach Saison variiert. Besonders im Frühjahr und Herbst, wenn saisonale Artikel gefragt sind, steigt die Nachfrage.

 

Die Zeit nach Weihnachten spielt für uns auch eine wichtige Rolle, da viele Menschen Platz schaffen wollen und langsam mit dem Frühjahrsputz starten. Nicht gebrauchte Geschenke werden auch gerne direkt weiter verkauft. Das führt zu einem erhöhten Verkaufsvolumen Anfang Januar.

Von Lena-Maria Stahl

 

 

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