Lieferkettenproblematik: Ist die wirtschaftliche Zukunft global oder “inhouse”?

Die Lieferkettenproblematik spitzt sich weiter zu. Gründe dafür gibt es viele. Schon vor der Pandemie gab es in verschiedenen Branchen Lieferengpässe. Während der letzten zwei Corona-Jahre nahmen diese rasant zu. Die Folgen sind Engpässe bei Rohstoffen, Materialien, Vorleistungen und steigende Preise, wie aus dem Bericht der DIHK zu Jahresanfang hervorgeht. 

 

Ein neuer Faktor, der zur Lieferkettenproblematik beiträgt, ist der Krieg in der Ukraine. Wichtige aus der Ukraine oder Russland stammende Materialien wie Holz und Stahl, die zu Weiterverarbeitung in Deutschland benötigt werden, sind knapp. Aber auch an Personal in der Logistik mangelt es, da die LKW-Fahrer zu einem großen Teil aus der Ukraine kommen. Laut einer kürzlichen Umfrage von Statista, in der mittelständische Unternehmen befragt wurden, gaben 88% allein aus dem Handel an, von den Lieferengpässen betroffen zu sein. 

 

Zudem befürchten laut dem Handelsblatt 39% der Großunternehmen einen kompletten Stillstand der eigenen Produktion, wenn es zu einer vollständigen Unterbrechung der russischen Gasversorgung kommen sollte. 

 

Lieferkettenproblematik: Die Folgen

 

Was sind die Folgen? Durch Rohstoff-, Material- und Personalknappheit ist vor allem mit steigenden Preisen zu rechnen. Sie sind jetzt schon für Händler, Hersteller und Endverbraucher spürbar. Die Inflationsrate ist für den Monat Mai auf 7,9% angestiegen (im Vormonat betrug sie 7,4%), was ein neuer Rekord ist.

 

Um der steigenden Inflationsrate entgegenzuwirken und Preise zu stabilisieren, plant die EZB im Sommer eine Leitzinserhöhung um mindestens 50 Basispunkte. 

Auch die Bundesregierung will mit einem milliardenschweren “Schutzschild” deutsche Unternehmen unterstützen. 

 

Der Weg aus der Krise?

 

Doch was können Unternehmen mittel- bis langfristig tun, um durch globale Lieferkettenprobleme nicht ins Straucheln zu geraten? Viele Konzerne setzen auf Protektionismus. Das heißt, dass um die 62% der deutschen Unternehmen die Lieferketten wieder innerhalb der EU etablieren, 40% sogar innerhalb Deutschlands regionalisieren wollen. Da bedeutet, eine Energiewende wird innerhalb der Unternehmen erfolgen (müssen). Es wird verstärkt auf erneuerbare Energien gesetzt, die sich innerhalb der EU oder gar in Deutschland herstellen lassen. 

 

Kürzere Wege spielen auch in allen anderen Bereichen der Lieferkette eine Rolle. Gewinnung von Rohstoffen, Materialien, Produktherstellungen und die ganze logistische Abwicklung soll soweit wie möglich innereuropäisch (oder inländisch) erfolgen. Natürlich ist das in einigen Fällen nicht machbar, da gewisse Materialien und natürliche Rohstoffe schlichtweg in den Regionen nicht vorhanden sind. 

 

Auch wird man mit rein-europäischen oder deutschen Lieferketten höhere Ausgaben haben. Nicht nur die Materialien sind teurer, auch die Produktionsstätten sowie Firmensitze, die jetzt nach Deutschland zurückverlegt werden, sind kostenintensiver. Nicht zu vergessen sind die Arbeitskräfte, die innerhalb der EU, in Deutschland insbesondere, höher vergütet werden (müssen). 

 

 

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Globale vs. “Inhouse” Lieferketten

 

Welche Vorteile bringt also ein Rückzug auf den europäischen oder gar deutschen Markt? Ganz klar, momentan befinden sich fast alle Branchen durch die globalen Lieferkettenprobleme in der Krise. Egal, ob man als Händler oder Hersteller weiter auf Entspannung im globalen Markt setzt oder eine protektorische Strategie wählt, wird man viel Geld investieren müssen. 

 

Eine globalisierte Strategie ist immer den äußeren Einflüssen ausgesetzt, wie die aktuelle Lage zeigt. Dadurch ist sie anfälliger und die Lieferketten drohen schneller zu kollabieren. Jedoch, wenn man von funktionierenden Lieferketten ausgeht, ist diese Strategie günstiger und die Marge höher. 

 

Eine protektorische Strategie hingegen ist schon im Hinblick auf die Nachhaltigkeit die Zukunftsweisende. Zudem ist sie weitestgehend unabhängig von äußeren Faktoren. Jedoch sind Kapazitäten, wie natürliche Ressourcen regional abhängig und dadurch begrenzt. Zudem sind die Ausgaben höher, was sich wiederum im Endpreis zeigt. Das bedeutet, dass es schlussendlich an der Endkundschaft liegt, ob sie bereit sind den Preis zu zahlen oder nicht. 

 

Das neue Lieferkettengesetz 

 

Das neue Lieferkettengesetz, was ab dem 1. Januar 2023 in Kraft tritt, scheint allerdings einen Ausgleich zwischen “inhouse” und globaler Strategie erreichen zu wollen. So muss sich jedes Unternehmen mit Hauptverwaltung, Hauptniederlassung, Verwaltungssitz, satzungsmäßigem Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland zur Achtung von Menschenrechten durch die Umsetzung definierter Sorgfaltspflichten verpflichten. Darunter fallen unter anderem die Etablierung eines Risikomanagements, um die Risiken von Menschenrechts­verletzungen und Schädigungen der Umwelt zu erkennen, zu vermeiden oder zu minimieren. Zudem beziehen sich diese Sorgfaltspflichten nicht nur auf den eigenen Geschäftsbereich, sondern auch auf das Handeln eines Vertragspartners und das Handeln weiterer (mittelbarer) Zulieferer. Folglich endet die Verantwortung der Unternehmen nicht länger am eigenen Werkstor, sondern besteht entlang der gesamten Lieferkette. Umfassende Informationen zum Lieferkettengesetz findest Du hier: BMZ

 

Auch wenn es schon vorher bekannt war, so verdeutlichen Pandemie, Brexit und der Ukraine-Krieg noch einmal mehr, dass die momentan bestehenden globalen Lieferketten zwar einiges erleichtern können, aber weisen auch die Schattenseiten auf. Jetzt muss ein sinnvoller Weg gefunden werden, der einen globalen Markt zulässt, aber auch Aspekte wie Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Geopolitik berücksichtigt und diesen Faktoren standhält. 

 

Von Lena-Maria Stahl

 

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