Mit Mobile Commerce zur Kundenpersonalisierung

Nov 12, 2021 | App, E-Commerce Insights, Fashion, Home, K5 Insights

Mobile Shopping wird bei Kund*innen immer beliebter. Laut aktuellen Studien ist der Anteil im Onlinehandel weltweit auf  73% gestiegen. In Deutschland, wo Mobile Commerce in den letzten Jahren erst richtig anlief, ist der Anteil mittlerweile auf 55% angewachsen und nimmt stetig zu. Interessant zu sehen, ist, dass die Nutzer*innen nicht unterwegs auf das Einkaufen über das Handy zurückgreifen, sondern 80% der Mobile Käufe zu Hause stattfinden. Dem zu entnehmen, ist, dass das Smartphone den PC im E-Commerce ablösen wird.

 

Screenshot von Mobile Commerce

© Stefan Wenzel

 

 

Mit weniger Sortiment zu mehr Umsatz

 

Was bedeutet das für Brands und Händler? Viele setzen nach wie vor auf die vermeintlich altbewährte amazon-Strategie: Sortimentsauflistungen von der Desktop Version auf mobile Endgeräte übertragen. Je mehr Angebot, desto besser! Denn: Nach wie vor gehen viele davon aus, dass mit einer großen Auswahl auch mehr Umsatz erzielt werden kann. “Die hohe Kunst ist aber mit weniger Sortiment, mehr Umsatz zu machen”, so Ruppert Bodmeier, Co-Founder & CEO von DISROOPTIVE

 

Zuerst müsse man vom Medium her denken, empfiehlt der Experte. Eine einfache Übertragung des Shops von einem zum anderen Endgerät, beschränkt die Benutzerfreundlichkeit. Darüber hinaus müsse man vom noch vorherrschendem Trend “Sortimentvielfalt” abweichen und zu mehr Personalisierung gehen. 

 

Goodbye Vielfalt, let’s get personal!

 

Personalisierung, vor allem in der Fashion Welt, kann schwierig sein. Viele Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker und gehen oft erst bei Bedarf shoppen, weshalb persönliche Empfehlungen seltener zu einer Kaufentscheidung führen. Doch einige Modekonzerne verfolgen trotzdem das Ziel mehr Personalisierung und Individualisierung in ihre Mobile Shops zu integrieren. 

 

Wie zum Beispiel ABOUT YOU. Obwohl der Online-Händler auch auf eine große Produktauswahl setzt, ist doch an der aktuellen App-Umsetzung das Ziel zu sehen, dass der Retailer individuelle Kundenbedürfnisse mehr berücksichtigen will. Sobald die App gestartet wird, erscheint das Logo, was anschließend mit dem Nutzernamen angezeigt wird: “ABOUT YOU, ABOUT Lena”, wie in meinem Fall. Neben Inspirationen von Bloggern und Influencern gibt es auch eine ausführliche Größenberatung mit Shopping-Tipps. 

 

 

 

 

Der Sport ist dem Handel von morgen voraus

 

Ein weiteres Beispiel, wie Individualisierung funktionieren kann, zeigt die Keller sMiles Sport App. Im Vordergrund steht nicht das Sortiment und der Verkauf. Vielmehr wird die Kundschaft durch ein Bonusprogramm zum Sport animiert, was wiederum die Kundenbeziehung stärken soll. Durch sportliche Aktivitäten können Nutzer*innen “Koins” sammeln und diese dann im Reward Shop einlösen. Zudem gibt es verschiedene Challenges, woran die App User*innen partizipieren können. Das Geschäft ist dabei zunächst zweitrangig, gewinnt jedoch durch die engen Kundenbeziehungen langfristige Käufer*innen. 

 

Screenshot der Keller sMiles Sport App

 

 

Im Sportbereich scheint Personalisierung die Sortimentsvielfalt schon eher abgelöst zu haben. Man sieht, dass die mobilen Formate der Marken vom Onlineshop abgenabelt sind und eigene Zwecke erfüllen. 

 

So ist auch bei Freeletics zu sehen, dass nicht der Verkauf von Produkten im Vordergrund steht, sondern die Fitness der User*innen. Um die Fitness-App nutzen zu können, wird zunächst ein Nutzerprofil erstellt. Damit wird schon von vornherein das Angebot personalisiert. Sobald man dieses Profil erstellt hat, kann man an bestimmten “Training Journeys” teilnehmen – Sportprogramme, die man über einen längeren Zeitraum mit einem Coach absolviert. Die Vermarktung der Produkte verläuft subtiler. Anhand des benötigten Equipments wird man eher dazu inspiriert als dazu angehalten, Freeletics Produkte zu kaufen. Und wenn ich schon mit der Brand trainiere und gerade zufällig Hanteln brauche – wieso dann nicht gleich von denen? Der Punkt ist, die Kaufentscheidung liegt bei der Kundschaft, das gemeinsame Erlebnis mit der Marke steht im Vordergrund.

 

Der amazon Killer wird nicht aus dem Retail kommen

 

Ruppert Bodmeier ist der Auffassung, dass solche Formate zukünftig die größte Konkurrenz zu amazon und Co. sein werden. Den Ursprung dieser Marken und Händler sieht er gar nicht unbedingt im Retail. Vielmehr werden sie aus anderen Bereichen kommen, wo der Nutzen für Kunden von Anfang an im Fokus stand. Die Produkte werden dann “nur” ein schöner Side Effect sein. 

 

Was ist also wichtig für Unternehmen, um sich für die Zukunft zu wappnen? 

 

Personalisierung schlägt Vielfalt: 

  • Das gilt nicht nur für das Sortiment, sondern auch für die Endgerätenutzung. Übertrage Deinen Onlineshop nicht 1 zu 1 auf die Mobile Version, sondern denke vom Medium aus. Erschaffe einen Mehrwert für die Nutzer*innen, weshalb sie Deine Marke / Deinen Shop auch auf dem Smartphone brauchen. 
  • Stärke die Kundenbindung. Gerade Apps, die losgelöst vom Shop sind, bieten an, die Kundenbeziehungen zu intensivieren. Zum Beispiel durch gemeinsame Challenges und Journeys.
  • Was das Angebot angeht, empfiehlt Ruppert Bodmeier nicht eine Masse an Produkten, sondern eine Sortimentsnische. Das Bedürfnis nach dem Produkt darf bei der Kundschaft noch nicht gestillt sein. (Mehr erfährst Du in Ruppert Bodmeiers Vortrag “Beyond amazon – wo sind die amazon Killer?)

 

Neugierig geworden? Dann gibt es in der K5 KLUB Mediathek gleich zwei spannende Vorträge mit Experte Ruppert Bodmeier. In der K5 Klartext Folge “Warum Mobile mehr ist als ein Onlineshop auf einem zu kleinen Screen” diskutieren Host Stefan Wenzel, Bertold Harmath von LIVEBUY und er unter anderem über die Potenziale von Mobile Commerce. In “Beyond amazon – wo sind die amazon Killer” erfährst Du, was es braucht um mit dem Marktplatz-Giganten konkurrieren zu können. 

 

Warum Mobile mehr ist als ein Online-Shop auf einem zu kleinen Screen
Beyond Amazon - Wo sind die Amazon-Killer?

 

Von Lena-Maria Stahl

 

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