Nachhaltig oder doch nur Greenwashing?

Nov 2, 2021 | E-Commerce Insights, Home, K5 Insights, Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit ist ein Trend, der gekommen ist, um zu bleiben. Das war auf dem vergangenen K5 Connect Dinner deutlich spürbar. Immer mehr Startups und Jungunternehmen verankern das Thema in ihrer Firmen-DNA. Vor allem in den Branchen Fashion und Food gibt es einen enormen Zuwachs an nachhaltigen Brands und Shops. 

 

Nachhaltigkeit: Als Trend missbraucht?

Was genau bedeutet eigentlich Nachhaltigkeit? Wo fängt sie an und wo hört sie auf? Greenwashing ist ein gewaltiges Thema, was die Gäste auf dem Connect Dinner beschäftigte.  “Da werden von großen Unternehmen ein, zwei Produkte nachhaltig produziert und groß aufgeblasen, aber das Thema ist eindeutig nicht im Kerngeschäft enthalten”, äußert sich Julia Zirpel, Founderin des nachhaltigen Fashionmarktplatzes the wearness. Genau das würde es den umweltbewussten Marken und Retailern auf dem Markt erschweren. “Nachhaltige Schuhe, die zu einem günstigen Preis erhältlich sind, können gar nicht so nachhaltig sein, wenn man die Kosten für eine umweltbewusste Produktion bedenkt”, so Carl Warkentin, Co-Founder der nachhaltigen Schuhbrand Monaco Ducks. Der Report Status Deutscher Mode 2021 gibt ihm dabei recht. Auch wenn mittlerweile die meisten (großen) Konzerne mit dem grünen Slogan werben, werden doch nur insgesamt 1% der Kleidungsstücke in Deutschland überhaupt recycelt. 

 

“An der Kasse hört das Gewissen auf”

Zwar würden laut einer McKinsey-Studie über 60% der Verbraucher*innen mehr auf Nachhaltigkeit bei der Kaufentscheidung achten, doch nur 33% der Deutschen würden nach dem Consumer Survey Report von Fashion Revolution beim Kauf tatsächlich danach handeln. “An der Kasse hört das Gewissen auf”, meint Carl Warkentin. Die befragten Gäste aus der nachhaltigen Unternehmerszene stimmen ihm dabei zu. Die Vogue spricht zudem von einem mangelnden Bewusstsein über die Kosten nachhaltiger Produktion. Verbraucher*innen wären bereit nur knapp 4€ mehr für ein nachhaltiges, fair produziertes Baumwollshirt zu bezahlen als für ein herkömmliches. Und da sind die Deutschen, die europaweit am meisten dafür geben würden.

Dass nicht nur die Regierung weiter handeln und Einfluss auf die Wirtschaft nehmen muss, sondern auch die Big Player stärker zur Verantwortung gezogen werden müssen, ist auch Matias Corrado, Founder der Food-Brand daily endurance: “Nachhaltigkeit muss von großen Unternehmen kommen, sie haben die nötigen Ressourcen und das Kapital”, fordert er. Julia Zirpel hofft zudem, dass die Konzerne mehr den Purpose ihres Unternehmens in den Fokus stellen, anstatt nur die Wirtschaftlichkeit. Mehr Transparenz in der Herstellung ist ebenfalls notwendig. So können nicht nur Kund*innen mit vollem Wissen über ihren Kauf entscheiden, sondern auch Händler*innen, ob sie mit den Produzenten kooperieren. 

K5 Connect Dinner Networking Oktober 2021

Jaclyn Schnau von Pumpkin Organics auf dem K5 Connect Dinner am 21.10.21 in München.

K5 Connect Dinner Networking Oktober 2021

Matias Corrado von Daily Endurance auf dem K5 Connect Dinner am 21.10.21 in München.

Die Großen müssen Verantwortung übernehmen

Ist Nachhaltigkeit dann doch nur ein momentaner Trend und zum Scheitern verurteilt? Nein! Das Bewusstsein für Umwelt und Klimaschutz wächst weiter. Laut McKinsey kommt man im Handel auch jetzt schon nicht mehr an dem Thema vorbei. Jaclyn Schnau, Co-Founderin der Lebensmittelmarke Pumpkin Organics, fordert von der Regierung eine Nachhaltigkkeitssteuer auf Lebensmittel, die noch nicht klimaneutral sind. So wäre der Anreiz für eine umweltbewusste Herstellung größer. Auch eine Zuckersteuer könnte sie sich vorstellen.

Diese wird auch immer wieder von the nu company gefordert. Der nachhaltige Snack-Hersteller hat diesen Herbst große Konzerne wie Bahlsen zu einem Schokoriegel Gipfel eingeladen, auf dem das “Schokoriegelreinheitsgebot” diskutiert wurde. Ziel des Impact Startups ist es, dass sich die Big Player der Lebensmittelindustrie unter anderem zu einer Zuckerreduzierung verpflichten. Es bleibt abzuwarten, welche Vorhaben aus dem am 21. Oktober stattgefundenen Gipfel umgesetzt werden. 

Dass nicht nur die Regierung weiter handeln und Einfluss auf die Wirtschaft nehmen muss, sondern auch die Big Player stärker zur Verantwortung gezogen werden müssen, ist auch Matias Corrado, Founder der Food-Brand daily endurance: “Nachhaltigkeit muss von großen Unternehmen kommen, sie haben die nötigen Ressourcen und das Kapital”, fordert er. Julia Zirpel hofft zudem, dass die Konzerne mehr den Purpose ihres Unternehmens in den Fokus stellen, anstatt nur die Wirtschaftlichkeit. Mehr Transparenz in der Herstellung ist ebenfalls notwendig. So können nicht nur Kund*innen mit vollem Wissen über ihren Kauf entscheiden, sondern auch Händler*innen, ob sie mit den Produzenten kooperieren. 

 

Nachhaltiger Impact und erfolgreiche Skalierung

Während es doch noch einige Herausforderungen für die umweltbewussten Unternehmen gibt, ist eine erfolgreiche Skalierung nicht ausgeschlossen. “Nachhaltigkeit muss in der DNA sein”, stimmen befragten Gäste überein. Nur so könnten sozialer Impact und Unternehmensskalierung funktionieren. Außerdem ist das Produkt entscheidend: “Wenn das Produkt gut ist, dann ist es immer die bessere Alternative”, weiß Julia Zirpel.

 

Nachhaltigkeit ist kein USP

Momentan scheint es noch ein USP zu sein, wenn Nachhaltigkeit der Kern des Unternehmens ist. “Es kann nicht die Lösung sein, dass alle unsere Schuhe tragen. Wir müssen alle gemeinsam nach vorne gehen”, sagt Carl Warkentin. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein ist ein 360° Thema, das alle betrifft. Hierbei ist der Austausch mit anderen purpose-driven-Unternehmen enorm wichtig. Um so größer das Netzwerk, desto mehr Reichweite kann man erzielen. Carl Warkentin und Julia Zirpel empfehlen, einfach andere Unternehmen zu kontaktieren und sich auszutauschen. Plattformen, die sich zum Beispiel für Networking im Bereich Mode anbieten, sind die Green Style Fair Fashion Conference oder die Fashion Changers Konferenz, auf denen neben der nachhaltigen Startup Szene auch große Konzerne vertreten sind. 

Zudem gibt es immer mehr Venture Capitals, die sich auf Unternehmen mit sozialem und nachhaltigem Impact fokussieren. Eines davon ist better ventures, bei dem Dörte Kaschdailis, K5 Host und Co-Founderin von opexxia, und Björn Kolbmüller, Founder von zenloop und flaconi, zu den Investoren zählen.

Man sieht also, dass Nachhaltigkeit nicht nur die Gäste des K5 Connect Dinner beschäftigt, sondern sich durch alle Branchen zieht. Viele Unternehmen satteln auf den Zukunftsweiser ‘Sustainability’ um und stellen nachhaltige Geschäftsmodelle und Strategien in den Fokus. Nur so kann der Handel von morgen auch tatsächlich gelingen.

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl und Katrin Grieser

 

 

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