Quick Commerce: Revolution der Shoppingwelt?

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Ein neues Phänomen erobert die Shoppingwelt: Der Quick Commerce (qCommerce) erfüllt das Bedürfnis der Konsumenten nach bequemen Bestell-, Bezahl- und Lieferprozessen – und zwar möglichst schnell. Doch hat dieser Trend das Potenzial, den Konsum der Zukunft zu prägen? Und wie können sich Onlinehändler darauf einstellen? Wir haben nachgefragt – und Sebastian Ehrke, Director Ecosystem Growth bei Arvato Financial Solutions, steht Rede und Antwort. 

 

Warum liegt der qCommerce derzeit so im Trend? 

Die Pandemie hat unser Einkaufsverhalten verändert. Immer mehr Menschen kaufen über das Internet ein – jeder siebte Euro im Einzelhandel wird inzwischen online ausgegeben.[1] Unter den Onlineshoppern ist aber auch der Anteil derer gestiegen, die sich eine möglichst schnelle Lieferung wünschen. Denn Angebote wie Amazon Prime haben unsere Erwartungen verändert, was die Lieferzeiten betrifft. Mit der Kombination aus radikal verkürzter Customer Journey und maximaler Kundenorientierung trifft der qCommerce also genau den Nerv der Zeit. Dem Thema Bequemlichkeit ist sicherlich auch eine große Gewichtung zuzutragen, der sogenannte Spontaneinkauf für das Abendessen oder die Cola zwischendurch.

 

Was genau ist da bei den Konsumenten passiert?

Nach und nach hat sich bei den Menschen das Gefühl eingestellt, dass eine Lieferzeit von 3 bis 4 Werktagen nicht mehr akzeptabel ist. Mit dem Premiumversand im Rahmen von Prime hat Amazon sozusagen den Anspruch zementiert, dass heute bestellte Produkte schon morgen an der Haustür sein müssen. Die Konsumenten haben sich an eine schnelle Lieferung gewöhnt – und erwarten das nun auch von

anderen Einzelhändlern. Auch mit der Same-Day-Delivery hat Amazon einen Meilenstein gesetzt. Für Artikel des täglichen Bedarfs, die per App bestellt werden, funktioniert das in Großstädten mittlerweile innerhalb weniger Minuten. Und dieses Phänomen überträgt sich gerade auch auf andere Segmente.

 

In welche neuen Bereiche dringt der qCommerce vor?

Beauty- und Technikbedarf sind aktuelle Beispiele. In Hamburg etwa kooperiert die Kosmetikkette Douglas testweise mit dem Schnelllieferdienst Gorillas, um Beautyprodukte an Kunden auszuliefern. Und in Singapur und Thailand können sich Nutzer der Online-Lieferplattform Foodpanda innerhalb von 30 Minuten mit Geräten und Zubehör des Smartphoneherstellers Xiaomi beliefern lassen. Essenslieferdienst Wolt bringt Apothekenprodukte in München. Bestellt werden kann rund um die Uhr, zwischen 9 und 18.30 Uhr werden die Aufträge bearbeitet. Innerhalb von 30 bis 45 Minuten wird geliefert.

 

Eine schnelle Lieferung ist also gefragt. Welchen Anbietern gelingt das aktuell – dem qCommerce entsprechend – innerhalb von 10 bis 60 Minuten? 

Das sind bislang vor allem risikokapitalgestützte Start-ups, die aus dem eFood-Bereich kommen. Etwa das in Deutschland ansässige Unternehmen Gorillas, das mit seinem Markteintritt 2020 rund 290 Millionen US-Dollar einsammeln konnte. Auch Flink ist hier zu nennen – ein Anbieter, der den Markt ein Jahr später betreten hat und zuletzt im Dezember 2021 neues Kapital in Höhe von 750 Millionen Dollar für eine weitere Expansion erhalten hat. Oder der türkische Lebensmittel-Lieferdienst Getir, der seit vergangenem Jahr in Deutschland aktiv ist und sich beweisen muss.

 

Und was ist mit den bekannten Supermarktketten und Discountern – wollen auch sie in diesen Markt vordringen?

Die etablierten Supermärkte wie Rewe oder Edeka bieten zwar bereits Lieferdienste an, aber eher für den klassischen Wocheneinkauf. Für sie ist der Einstieg in den qCommerce nicht ganz so einfach. Denn aus ihrer Sicht wäre es wichtig, dass ein solches Angebot profitabel läuft. Das ist bei den Start-ups anders. Wie alle internetbasierten Geschäftsmodelle setzen sie kurz nach der Gründung in erster Linie auf schnelles Wachstum. Marktanteile zu erlangen ist viel wichtiger, als die Gewinnzone zu erreichen. Das erschwert den traditionellen Playern den Zugang. Aber die großen Discounter könnten die Wettbewerbssituation komplett verändern, sollten sie mit günstigen Produkten in den qCommerce einsteigen. Das Marktpotenzial ist auf jeden Fall vorhanden. Weltweit soll es im Jahr 2030 schätzungsweise 448 Milliarden Euro betragen.[2]

 

Welche Faktoren sind wichtig, um erfolgreich auf diesem Markt zu agieren?

Ein breites Sortiment, ein gut aufeinander abgestimmtes Logistik-, Lager- und Lieferkonzept sowie reibungslose Finanzprozesse. Schließlich kann sich das beste Geschäftsmodell nur dann auszahlen, wenn der Geldzufluss stimmt. Deshalb sollten Händler ihr Paymentangebot unter die Lupe nehmen und kritisch hinterfragen. Ist für Konsumenten ihre Lieblingszahlart verfügbar – etwa ein „Buy now, pay later“-Angebot? Welche Kosten fallen je nach Zahlart an? Ist vielleicht ein Payment in der Abwicklung günstiger als ein anderes? Und welche Lösung gibt es für Micropayments, also die für den qCommerce typischen vielen kleinen Rechnungsbeträge, die aber sehr teuer in der Abrechnung sein können?

 

Welche weiteren Stellschrauben können Händlern die Zahlungsabwicklung im Hintergrund erleichtern?

Bei Gütern mit Kleinstbeträgen stellt die Wirtschaftlichkeit der Bezahlung ein zentrales Problem dar. Das ist im qCommerce der Fall. Denn die Kosten für die Zahlungsabwicklung übersteigen oft die Marge. Hier ist die Monatsrechnung beispielsweise eine sinnvolle Lösung. Sie fasst kleine Einkäufe in einer einzigen Rechnung zusammen. In der konsolidierten Form wird sie dann wie jede normale Rechnung behandelt, mit einer Zahlungsfrist von 14 Tagen und so weiter. Generell gilt, dass die Abwicklung einfacher wird, wenn alle wesentlichen Schritte der Order-to-Cash-Kette möglichst automatisiert bearbeitet werden, also zum Beispiel Rechnungsstellungen, Zahlungen und Buchhaltung. So kann die Leistungsgrenze der Händler mitwachsen – sie sind gut vorbereitet für schnelles Wachstum.

 

Vom qCommerce profitieren

Welche Chancen bietet der qCommerce? Das Business Insight von Arvato Financial Solutions liefert Ihnen einen Überblick über Marktentwicklung und Wachstumspotenzial, Wettbewerber und Konsumenten sowie Erfolgskriterien für Onlinehändler.

 

[1] Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh): Jahresversammlung. 26.01.2022.

[2] Delivery Hero: Company Presentation. November 2020. S. 16.

Von Arvato Financial Solutions 

 

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