Rettet der App Based Retail den stationären Einzelhandel?

Die vergangenen zwei Jahre haben den stationären Einzelhandel verändert. Sich zuvor andeutende Entwicklungen, wie steigende Anteile des Onlinehandels, wurden rasant beschleunigt und haben alle Vermutungen und Annahmen zunichte gemacht. 

Bis zum Frühjahr 2020 war Online-Shopping für viele Kund*innen ein Kann, aber kein Muss, und wurde mit einem Schlag in den meisten Branchen zur einzigen Option. Allein im Jahr 2021 belief sich mit 53,7% mehr als die Hälfte des Umsatzes in der Bekleidungs- und Schuhindustrie auf Online-Käufe, wie Prof. Dr. Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein in einem Interview mit Sven Rittau berichtet. Und damit stellt sich die Frage: Hat der stationäre Einzelhandel Zukunft? Und wenn ja, wie muss diese Zukunft aussehen?

 

Die Zukunft stellt Bedingungen 

 

Die Chance für den stationären Einzelhandel – oder zumindest Teile davon – liegt in Veränderung, Anpassung und in manchen Fällen einem kompletten Imagewandel. Denn die vergangenen zwei Jahre haben eines deutlich gezeigt: Mit dem Status Quo ist es nicht mehr weit her. Im Jahr 2021 war der Offline-Handel sogar das erste Mal mit einem nominalen Minus von 1,4% konfrontiert und hat sich von dem pandemischen Tief nicht erholt.

Die Anteile und Umsätze im Onlinehandel hingegen schossen und schießen nach wie vor in die Höhe. Was also braucht der stationäre Einzelhandel, um sich erholen zu können?

 

Ein entscheidender Faktor, soviel ist sicher, ist die Affinität zum Digitalen. Für die allermeisten Warengruppen ist die Zeit der digitalen Ignoranz vorbei. Rund 250000 Geschäfte sind allein in Deutschland vollkommen analog und auch nicht auf den Schritt in die digitale Welt vorbereitet. Doch vor allem der innerstädtische Einzelhandel, geprägt von oft lokalen Bekleidungs-, Schuh- und Accessoire-Geschäften, muss an diesem Rad drehen. Denn die Offline-Fashion-Handel ist mit am stärksten betroffen.

 

Das Geschäftsmodell der digitalen Welt

 

Wo betroffene stationäre Unternehmen dafür ansetzen müssen, darüber sind sich Expert*innen wie Satya Nadella, CEO von Microsoft, und Prof. Dr. Gerrit Heinemann einig: Man muss das althergebrachte Modell anpassen und mitunter neu erfinden. Denn im Mittelpunkt müssen die Personen stehen, mit denen der Erfolg eines Geschäfts steht und fällt: Die Kund*innen, mit allen Wünschen und Bedürfnissen. Und dafür muss sich auch der stationäre Einzelhandel mit dem datenbasierten Arbeiten anfreunden. Immerhin sind Kund*innendaten hier die direkte und eindeutige Quelle.

 

Ein Beispiel: 2021 wurden rund 50% der Käufe im E-Commerce über Smartphones getätigt, die Verkäufe in Apps nehmen rasant zu und ein Drittel der Kund*innen nutzt die Apps sogar während des Besuchs in einem Geschäft. App-based Retail ist also für den Einzelhandel ein vielversprechende Ansatz, der im besten Fall nicht nur Reichweite und höhere Verkaufszahlen, sondern auch Informationen über das Verhalten der Nutzer*innen liefern kann. 

 

Die Karlsruher Drogeriekette dm-drogerie markt GmbH + Co. KG, mit einem Umsatz von rund 9 Milliarden Euro der deutsche Marktführer, hat bspw. bereits 2019 eine App für die gängigen Systeme herausgebracht. Diese bietet neben der dem In-App-Shopping und diversem Content auch eine Click and Collect-Funktion sowie die Möglichkeit den Bestand der Produkte vor Ort zu überprüfen.    

Die Chance ist digital

Der stationäre Einzelhandel muss Veränderung wagen und zulassen. Diverse Stationäre Größen, wie z.B. dm, zeigen, dass der Offline-Handel durch eine Annahme des digitalen Fortschritts nicht verliert, sondern gewinnt. Und nur mit einer neuen, kundenzentrierten und damit datenbasierten Ausrichtung, wie sie der App-based Retail mit sich bringt, hat der stationäre Einzelhandel noch eine Chance.

 

Noch mehr Insights zum Thema „Intelligent Retail“ erfährst du im Talk von Prof. Dr. Gerrit Heinemann und Sven Rittau in unserem kostenfreien K5 KLUB. Schau doch mal rein!

 

 

 

Von Katrin Grieser

 

 

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