US-Markt: “Go big, go niche or go home”

Aug 18, 2021 | E-Commerce Insights, Home, Marktplatz

Der US-Markt ist nach China der wichtigste Handelsmarkt weltweit. Führende Unternehmen wie der Gigant amazon sind dort groß geworden und haben ebenda ihren Hauptsitz. Es ist kein Geheimnis, dass viele Trends sich zunächst in den USA entwickeln, bevor sie in Europa ankommen. Ein Blick in die Staaten kann also auch ein Blick in die Zukunft des europäischen Marktes sein.

 

 “Marketplaces in general are winning”

 

Jason Goldberg, Chief Strategist von Retailgeek, berichtete auf der K5 DIGITAL 2021 über die aktuellen Marktentwicklungen der Vereinigten Staaten. Marktplätze sind auch im amerikanischen Handel ein wichtiges Thema. “Marketplaces in general are winning”, so der Experte Jason Goldberg. Im E-Commerce führend ist amazon. Der Marktplatz-Riese machte vergangenes Jahr online einen Umsatz von ca. 250 Milliarden Dollar. Der Gesamtumsatz im Onlinehandel machte 888 Milliarden Dollar aus. Die Pandemie konnte zudem einen Zuwachs von 27% im E-Commerce verbuchen.

 

Jedoch macht der Onlinehandel nur 16% des gesamten US-amerikanischen Umsatzes aus, betont Goldberg. (In Deutschland belief sich 2020 der Anteil auf 18% laut statista.) Demnach ist walmart der führende Marktplatz der USA. Zwar wäre der Online-Umsatz mit 40 Milliarden Dollar geringer als von der Konkurrenz, doch kann walmart laut dem Experten sogar ein schnelleres Wachstum vorweisen als amazon. Target kann sogar einen Wachstum von 100-200% verbuchen. 

 

amazon: Ohne Konkurrenz?

 

Heißt das etwa, dass amazon auf seinem Heimatmarkt gar nicht der Big Leader ist?  – Doch, so die Antwort von Jason Goldberg. Er sieht in nächster Zeit keinen anderen Marktplatz an ihm vorbeiziehen. amazon sei konkurrenzlos. 


Der Gigant hat wie kein anderer mehr in Logistik und Infrastruktur investiert: “amazon last year invested more capital in building supply chain infrastructure and distribution capability than walmart has spent in 50 years”, so Goldberg. Unter anderem hätte der Konzern die meisten nahegelegenen Lager, von denen sie aus schneller die Ware an die Kund*innen bringen. 

 

Ein weiterer Vorteil ist, dass das Unternehmen seine Schwächen schnell erkenne und diese in seine Stärken umzusetzen weiß: “quiet annoyingly, amazon is good in addressing their weaknesses, turning them and becoming good.” Als Beispiel nennt Jason Goldberg individuell hergestellte Produkte wie maßgeschneiderte Hemden, die schneller geliefert werden als Ware von Abercrombie & Fitch

 

Im Allgemeinen habe es die Konkurrenz schwer, flächendeckend erfolgreich zu sein, allein wegen der Größe des Landes.“It’s best not to think of the US as a country, it’s to think about a bunch of fragmented regions”, so der Tipp von Jason Goldberg. Es ist also durchaus denkbar, in einem Bundesstaat ein nennenswerter Konkurrent zu amazon zu sein, während man im nächsten nicht mal auf dem Markt ist. 

 

“One reason to exist is to be an alternative to amazon

 

Die Frage, die sich stellt, ob man überhaupt als Marktplatz neben amazon erfolgreich sein kann? “One reason to exist is to be an alternative to amazon”, sagt Goldberg. Um eine wahre Alternative zu sein, ist es besser, nicht wie der große Konkurrent auf ein Massenangebot und Convenience, zu setzen. Vielmehr ist ein kuratiertes Angebot, einzigartige und maßgeschneiderte Produkte der Weg, um erfolgreich zu sein: “making custom products is a great way to compete against amazon”, ist Jason Goldberg der Meinung. 

 

Das Unternehmen Etsy macht es vor. Die Plattform, auf der Privatpersonen selbstgemachte und maßgefertigte Waren verkaufen und kaufen können, ist in den USA die viertgrößte E-Commerce Website. 2020 haben Verkäufe über Etsy mit 13 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beigetragen.  

 

Näheres darüber, wie man erfolgreich einen Marktplatz neben amazon etablieren kann, erfährst Du von Ruppert Bodmeier von disrooptive, welcher auf der K5 DIGITAL 2021 erklärte, wie und durch was man sich von anderen Marktplatzmodellen unterscheiden kann. Ihm geht es nicht nur um Kuration, denn selbst da sieht er schon zu viele gleiche Angebote. Ruppert Bodmeier beleuchtet Marktplatzkonzepte, die ihre Kund*innen schon bereits vor dem Kauf abholen und an sich binden. 

 

Mit Kapital, Wissen und einer Langzeitstrategie zum Erfolg auf dem US-Markt 

 

Go big, go niche or go home” lautet auch die Devise von Henning Heesen, Co-Founder von Salesupply, und Kollege Björn Van Brakel, Vice President. Auf der K5 DIGITAL 2021 gaben die Dienstleister Tipps, was für europäische Unternehmen zu beachten ist, wenn sie sich auf dem US-amerikanischen Markt etablieren wollen. Sie sind ebenfalls der Meinung, dass ein kuratiertes, spezialisiertes Angebot zu mehr Erfolg verhilft als ein zweites amazon aufzubauen. 

 

Die amerikanischen Käufer*innen bevorzugen auf Marktplätzen einzukaufen, als auf Onlineshops. Deswegen wäre es wichtig, seine Sales Channels zu splitten, so Björn Van Brakel. Auch erwarten die Kund*innen die gleichen Kaufbedingungen wie auf amazon. Das bedeutet, sie erwarten unter anderem, egal ob von einem Marktplatz oder Onlineshop, schnelle und kostenlose Lieferungen und Retouren.

 

Die Etablierung auf dem US-Markt scheitert oft auch an zu wenig Kapital, Mangel an Personal und Fachwissen. “Companies who go international and fail are under-informed, understaffed, underfunded”, so Henning Heesen. Um Erfolg in den USA als ausländischer Player zu haben, braucht man eine Langzeitstrategie mit ausreichend Kapital. Ebenfalls ist es unerlässlich, in die Infrastruktur zu investieren. Zudem empfiehlt Björn Van Brakel einen vertrauenswürdigen Repräsentanten vor Ort zu haben, da es sonst kaum möglich wäre, den US-Markt und dessen Entwicklungen beurteilen zu können. 

 

Die Tipps für den US-Markt zusammengefasst:

 

  • Die USA nicht als ein Land, sondern als unterschiedliche Regionen betrachten
  • Nische statt Convenience
  • Mehrere Sales Channels
  • Eine Langzeitstrategie
  • Viel Kapital, u.a. um in die Infrastruktur zu investieren
  • Ausreichend (Fach-) Personal
  • Local Trust Representative 

 

 

 

 

Von Lena-Maria Stahl

 

 

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