E-Food und die Crux mit dem Einkauf

Denise Klug

 

Denise Klug ist Redakteurin für die Lebensmittel Zeitung in Frankfurt am Main. Sie ist eine Expertin für E-Food mit Erfahrung im Retail. Mit der K5 Community teilt sie in diesem Artikel ihre Einschätzung zur Situation des digitalen Lebensmittelhandels.

 

Es besteht eine extreme Unsicherheit in den Finanzmärkten. Das zeigt sich an der Börse zuerst. Die Kurse von E-Food-Unternehmen wie Delivery Hero, Doordash, Uber, Hello Fresh und Just Eat Takeaway sind dramatisch eingestürzt. Der Sondereffekt der Corona-Krise, der die Umsätze der Lieferdienste in die Höhe schnellen ließ, hat durch die sukzessiven Öffnungen nachgelassen. Aktionär*innen und Investor*innen fragen sich, wieso die Konzepte trotz des außerordentlichen Booms in der Pandemie noch immer nicht profitabel wirtschaften. 

Der Krieg in der Ukraine sorgt für Probleme in der Lieferkette und eine generelle Zurückhaltung bei Investitionen. Auch die Kund*innen sind vorsichtiger. Sie schauen wieder mehr auf ihre Ausgaben und greifen gern zu Handelsmarken. Eine Situation, die auf so vielen Ebenen herausfordert, ist selten. Die Zahl der Start-Ups, die aufgeben, wächst. Wuplo, Grovy und Foodpanda Deutschland sind nun nicht mehr im Markt aktiv. Weitere wirken bereits, als seien sie kurz davor aufzugeben. Es gibt vermehrt Lücken in den virtuellen Regalen, Lieferslots werden zurückgefahren. Kleinere Anbieter*innen verschicken haufenweise Gutscheine in der Hoffnung, noch einmal die Umsätze anzukurbeln.

Auch die jungen E-Food-Unternehmen, die besser aufgestellt sind, haben es nicht leicht. Es muss frisches Kapital her, damit sie weiter wachsen können – und die Investor*innen wollen nun erst recht hören, wie die Geschäfte schnell profitabel werden könnten.

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Die Marge muss so groß wie möglich sein

Wenn ein E-Food-Unternehmen schwarze Zahlen schreiben will, reicht es nicht aus, dass beispielsweise nur der Warenkorb wächst. Die Marge, also das, was vom Verkauf des Produktes in die Tasche der Händler*innen geht, muss so groß wie möglich sein. Gleichzeitig sollte aber der Preis nicht das Niveau der Discounter und Supermärkte überschreiten, denn die Dichte dieser Geschäfte in Deutschland ist hoch. Das Versprechen von Convenience durch die Lieferung nach Hause darf  preissensible Kund*innen nicht wesentlich mehr kosten, wenn es überzeugen soll. 

Nun gibt es in Deutschland Händler*innen, die sich seit Jahrzehnten durch harte Verhandlungen mit den Hersteller*innen exquisite Einkaufskonditionen erarbeitet haben. Es ist nicht möglich, dass ein Start-Up oder ein neuer Anbieter da mithalten kann, während gleichzeitig ja auch noch andere Faktoren im Geschäftsmodell Kosten verursachen.

Die einzige Möglichkeit ist wohl die strategische Zusammenarbeit mit Partner*innen. Das zeigt sich auch, wenn man die Preise der einzelnen Shops vergleicht. Jene, die mit etablierten stationären Händler*innen beim Einkauf kooperieren, halten ihre Preise auf Supermarkt-Niveau. Bei den anderen gestaltet sich das nicht immer leicht. 

Die möglichen Kandidat*innen für solche Partnerschaften sind jedoch bereits verteilt. Rewe arbeitet mit Flink, Edeka mit Picnic. Die Discounter wollen lieber ihr eigenes Ding machen und sich selbst über Kundenkontakte freuen. Bisher sind alle bei ihnen abgeblitzt. Es bleiben regionale Player wie Globus, Bartels-Lagness oder Tegut, die Deutschland nur fleckenweise abdecken. Bünting aus dem Norden versorgt immerhin als Großhändler bereits die meisten Lieferdienste, die keine enge Partnerschaft aufbauen konnten. Wenn man mit diesen spricht, hören wir immer wieder, dass diese Art von Einkauf nur als Basis dienen soll, um schnell ein möglichst breites Sortiment in die Shops zu bekommen. Auf lange Sicht wollen alle selbst verhandeln, um bessere Konditionen zu erhalten und sich gerade auch gegen jene zu behaupten, die enge Kooperationen haben. Doch der Weg dorthin ist beschwerlich und es ist nicht garantiert, dass dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt sein wird.

Ein Ausweg könnte ein Sortiment liefern, das es schwer macht, die Angebote zu vergleichen. Dass der Shop heraussticht durch eine besondere Positionierung. Wie der Händler Knuspr, der in Frankfurt regionale Pilze für 10 Euro verkauft. Oder Yababa mit seinem türkisch-arabischen Sortiment, Gotiger mit dem Fokus auf asiatische Lebensmittel, Flaschenpost mit einem Angebot, das um Getränke herum aufgebaut wurde und KoRo mit Riesenpackungen voller Nüsse und Superfood. 

Auch Eigenmarken können eine Möglichkeit bieten, mit der sich Online-Shop-Betreiber*innen abheben können. Sie schaffen Exklusivität. Flink und Gorillas gehen mit Kooperationsmarken den ersten Schritt in diese Richtung. Knusprs Mutterkonzern Rohlik kauft in Tschechien zentral Handelsmarken für die Landesgesellschaften ein und profitiert so von seiner internationalen Größe. Gopuff aus den USA hat jetzt sein erstes Private Label lanciert. Der Anbieter soll über den Schritt an die Börse nachdenken und die Strategie helfen, eine Story zu erzählen, die von Wachstum zeugt. Und eine solche ist in den Zeiten der Unsicherheit so wichtig wie nie zuvor.

 

Von Denise Klug

 

 

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